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Siegfried Eckert "Persönlich": „Die Schere geht immer weiter auseinander“ - 27.05.2014

Siegfried Eckert, den jeder nur „Sigi“ nennt, ist eine der Personen im Hintergrund, ohne die im deutschen Basketball nichts laufen würde. Durch das Endspiel zwischen den USA und der Sowjetunion bei den Olympischen Spielen in München mit dem Basketball-Virus infiziert, ist Eckert seit Jahrzehnten als Funktionär und Schiedsrichter im Dienst des orangen Balls unterwegs. Und ein Ende ist nicht in Sicht, wie er NBBL-Redakteur Jan Finken im ausführlichen Interview in unserer Reihe „Persönlich“ verrät…

 

Herr Eckert, Sie widmen sich seit Jahren, ja seit Jahrzehnten Aufgaben beim Deutschen Basketball Bund. Insbesondere auf dem Jugend-Basketball liegt Ihr Fokus, sind unter anderem Mitglied im DBB-Jugendausschuss. Seit wann sind Sie dort aktiv und was sind Ihre Aufgaben?
Siegfried Eckert: Im DBB-Jugendausschuss bin ich jetzt seit 1986, dort bin ich im Wesentlichen für den gesamten Spielbetrieb ­- Deutsche Jugendmeisterschaften, Bundesjugendlager, WNBL - als Spielleiter tätig. Zu den Aufgaben gehört auch die Erstellung der Terminpläne, die aktuell bis zum Jahr 2017 vorliegen. Zusammen mit den Kollegen im Jugend- und Ligaausschuss erarbeite ich auch die Spielmodi der Jugend-Bundesligen.

Als Jugend-Spielleiter des DBB seien Sie laut DBB-Präsident Ingo Weiss nicht mehr wegzudenken. Seit wann sind Sie in dieser Funktion, und was fällt diesbezüglich in Ihr Tätigkeitsgebiet?
Zusammen mit Robert Daumann, Hartmut Großmann und Markus Idstein erledigen wir die Spielleitungen der Jugend-Bundesligen, was bei den insgesamt über 100 teilnehmenden Teams ein sehr zeitaufwändiger Job ist.

Welche neuen Anforderungen haben die Einführung von NBBL und JBBL an die Spielleitung gestellt?
Die Spielleitungen müssen eigentlich rund um die Uhr erreichbar und flexibel sein, da es zahlreiche Schnittstellen mit anderen Ligen (vor allem Regionalliga, ProA und ProB) gibt. Die jugendlichen Spieler können nicht gleichzeitig ProA in X und NBBL in Y spielen. Diese Aufgaben haben wir in den vergangenen Jahren eigentlich immer zufriedenstellend gemeistert.

Unter anderem sind Sie auch im Organisationsteam des Albert Schweitzer Turniers, dessen diesjährige Auflage vor kurzem in Mannheim und Viernheim zu Ende gegangen ist. Ihr Fazit aus sportlicher Sicht?
Zweigeteilt: Die obere Hälfte der Mannschaften hatte aus meiner Sicht ein hervorragendes Niveau, die Spiele waren sehr attraktiv, in der unteren Hälfte waren die Spiele nicht so besonders. Aber bei einem internationalen Turnier dieser Größe gehört auch das dazu.

Können Sie den organisatorischen Aufwand, den solch ein internationales Turnier mit sich bringt, kurz beschreiben?
Das AST wird seitens des DBB personell hervorragend ausgestattet, alle organisatorischen Angelegenheiten und Probleme wurden in kürzester Zeit zufriedenstellend gelöst. Das Service-Angebot des DBB mit Bustransfers, SR-Betreuung, DVD-Service und vielem mehr ist beachtlich. Aber auch die ehrenamtlichen Mithelfer des AST sind unverzichtbar, sei es am Kampfgericht oder beim Scouting. Alles in allem eine runde Sache, die neben sportlichen Leckerbissen einfach immer wieder Spaß macht.

Sie begleiten die NBBL und JBBL von Anfang an. Wie sehen Sie die Entwicklung der beiden Ligen, sowohl in sportlicher als auch, mit Blick auf die teilnehmenden Vereine, organisatorischer Hinsicht?
Die Ligen sind insgesamt professioneller aufgestellt. Die Jugendförderung hat einen anderen Stellenwert als noch vor sieben oder acht Jahren. Allerdings geht die Schere zwischen den Vereinen mit hauptamtlicher und/oder Internatsstruktur und den reinen Amateurvereinen immer weiter auseinander.

Wo sehen Sie in Bezug auf den zweiten Aspekt noch die größten Baustellen, an denen die Vereine noch arbeiten müssen?
Jeder Verein in der NBBL/JBBL sollte das Ziel haben, hauptamtliche Strukturen zu schaffen. Dann steigt aus meiner Sicht das Niveau insgesamt.

Sie sind beheimatet im schönen Breisgau, dem südlichsten Zipfel Deutschlands. An wie vielen Tagen im Jahr sind Sie im Dienste des Basketballs quer durch die Republik unterwegs?
Ich schätze so an mindestens 90 bis 100 Tagen, Mannschaftsbetreuung im Verein inklusive. Gerade nach dem NBBL / JBBL-TOP4-Wochenende - 16 Stunden nach Quakenbrück und zurück - sehe ich gewisse „Standortnachteile“ für mich als Freiburger… (lächelt)

Seit Anfang der 70er Jahre sind Sie im Basketball aktiv, waren Spieler, Trainer und Schiedsrichter. Wie sind Sie zu diesem Sport gekommen?
Durch das Endspiel der Olympischen Spiele 1972 in München. Das Spiel der USA gegen die UdSSR hat mich fasziniert. Da ich als Spieler – gemessen an heutigen Verhältnissen – viel zu spät angefangen habe, wurde ich gleich Funktionär. Die erste Schiedsrichter-Lizenz beispielsweise habe ich 1974 gemacht. Schiedsrichter bin ich übrigens immer noch.

Was waren Ihre größten Erfolge als Aktiver und Ihre schönsten Momente in Sachen Basketball?
Die größten Erfolge haben sich im Verein abgespielt, da ist vor allem das Jahr 1996 zu nennen, in dem der USC Freiburg überraschend in die 1. Liga aufgestiegen ist und mit der damaligen A-Jugend Deutscher Meister und Pokalsieger wurde. Der Pokalsieg der Damen des USC Freiburg im vergangenen Jahr war ein weiteres Highlight. Im Laufe der Jahre habe ich aber auch unzählige schöne Momente erlebt, deren Aufzählung den Rahmen dieses Gesprächs sprengen würde.

Sie sind seit 1978 Basketball-Abteilungsleiter beim USC Freiburg. Sind Sie in diesen über 30 Jahren noch nie amtsmüde geworden?
Gelegentlich schon, da allzu viel im Tagesgeschäft auf der Strecke bleibt. Aber der Ansporn, immer wieder etwas Neues zu beginnen und Basketball voranzubringen, hilft mir, Motivationsschwächen zu überwinden.

Sie haben für Ihre ehrenamtlichen Tätigkeiten etliche Auszeichnungen erhalten, unter anderem die Ehrengabe der Deutschen Sportjugend, die Goldene Nadel des Basketball-Verbandes Baden-Württemberg, die Silberne Ehrennadel des Deutschen Basketball Bundes und die Landesehrennadel des Landes Baden-Württemberg. Was bedeuten Ihnen diese Auszeichnungen?
Die Anerkennung meiner Tätigkeiten im Basketball ist wertvoll und wichtig und zeigt mir, dass ich mit meinem Engagement vielleicht auch etwas positiv bewegt habe.

Wie lange möchten Sie Ihrem Sport noch verbunden bleiben?
So lange es meine Gesundheit zulässt!

 

PM: NBBL / IV: Jan Finken

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