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Osternienburger HC

Osternienburger Hockey Club Schwarz-Weiss e.V.

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06386 Osternienburg
Sachsen-Anhalt
034973-21291
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Über uns

War in den 70er und 80er Jahren in der ehemaligen DDR von Hockey die Rede, dann war das meist mit dem Namen Osternienburg verbunden. Mit den Titelgewinnen der männlichen Jugend und der Knaben A - und das sowohl in der Halle als auch auf dem großen Feld - begann eine sowohl im DDR-Sport als auch im Hockey einmalige Siegesserie. Insgesamt 155mal konnten sich Osternienburger Hockey-Mannschaften, die bis 1990 den Namen BSG Traktor trugen, in allen Altersklassen in die DDR-Meisterliste eintragen. Damit holte man weit über die Hälfte aller Meistertitel, die in den Jahren zwischen 1968 und 1990 insgesamt vergeben wurden, ins "Hockey-Dorf".

Gärtnermeister Ernst Messinger

Denn Osternienburg ist tatsächlich "nur" eine Gemeinde, ein Dorf also, das zu seinen besten Zeiten etwa 3.000 Einwohner zählte, inzwischen aber auf etwa 2.500 "geschrumpft" ist. Wie aber ist so etwas zu erklären, das einem sportlichen Wunder gleicht? Immerhin waren die Osternienburger Herren mit ihren 34 Titelgewinnen, davon 19 in der Halle, zwischen 1971 und 1990 im Osten fast unschlagbar. Aber auch die 23mal erfolgreichen Damen standen dem in nichts nach. Das "Wunder" hat auch einen Namen. Der "Vater" all dieser Erfolge ist zweifellos Ernst Messinger. Der heute 68jährige, der bis vor kurzem in Osternienburg einen Gärtnereibetrieb unterhielt, erinnert sich an die Anfänge. "Köthen ist als die größte Stadt im Umkreis nur sechs Kilometer von Osternienburg entfernt. Und war schon immer eine Stadt, in der Hockey einen hohen Stellenwert besitzt. Immerhin holten die Köthener 1949 den ersten DDR-Meistertitel bei den Herren. In Köthen besuchte ich die Schule, absolvierte dann auch meine Gärtnerlehre. Da sprach mich eines Tages mein Klassenkamerad Werner Vogler, der später neun Länderspiele für die DDR bestritt, an, ob ich nicht mal Lust hätte, es mit dem Hockeyspielen zu versuchen. Und aus diesem ersten Mal wurde eine lebenslange Liebe."
 

Männliche Jugend A 1956

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Für Ernst Messinger war es von da an klar, dass er Hockey auch in "seinem Dorf" heimisch machen wollte. Der 1. April 1950 stellt so ein historisches Datum für den Hockeysport in Osternienburg dar, denn an diesem Tage wurde in Osternienburg das erste Spiel ausgetragen. Kontrahenten waren die männlichen Jugendmannschaften aus Osternienburg und Köthen. Bereits sechs Jahre später, 1956, erkämpfte die männliche Jugend den ersten DDR-Meistertitel, doch zum ganz großen Durchbruch brauchte man noch gut zehn Jahre." Die Grundlage unserer dann sehr langen Erfolgsserie lag sicher in der enormen Breite. In unseren besten Jahren zählten wir etwa 300 aktive Hockeyspieler. Es gehörte in unserer Gemeinde einfach dazu, dass die Mädchen und Jungen aus dem Ort zu uns kamen, um das Spiel mit dem Krummstab zu erlernen." Da verwundert es auch nicht sehr, dass Osternienburg immer wieder neue Talente hervorbrachte. So stellte Osternienburg 20 Jahre lang auch das Gros der DDR-Nationalspieler. 22 Herren und 19 Damen trugen den Auswahldress, und sie waren allesamt aus der eigenen Nachwuchsarbeit hervorgegangen. Denn so anziehend war trotz aller Erfolge das Hockeydorf, in dem zwei Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften das Sagen hatten und auch die Hockeyspieler unterstützten, nun auch wieder nicht, dass aus anderen Vereinen große Zugänge zu erwarten waren. Andererseits blieben die Osternienburger von den DDR-Sportoberen unbehelligt, weil die sich für Hockey nach den Olympischen Spielen 1968 in Mexiko nicht mehr interessierten. Diese Sportart war aus der Liste der besonders zu fördernden, wie es im DDR-Jargon hieß, ein für allemal gestrichen. Das wiederum bedeutete, dass die so genanten Leistungszentren, die beiden Sportclubs in Leipzig und Jena, aufgelöst wurden. Dorthin waren nämlich bis zu jenem Jahr 1968 die besten Hockeyspieler aus allen Ecken der DDR zu "delegieren", wenn sie den Ehrgeiz hatten, in der Nationalmannschaft zu spielen. Das war nun nicht mehr nötig, denn die DDR-Auswahl durfte fortan an keinem der großen offiziellen Ereignisse, wie Olympische Spiele, Welt- und Europameisterschaften, mehr teilnehmen.
Nach der politischen Wende im Osten Deutschlands hat sich natürlich auch in Osternienburg einiges getan. Das Ernst Messinger nach über 44 Jahren an der Spitze des Vereins die Verantwortung nun in jüngere Hände gegeben hat und zum Ehrenpräsidenten der Osternienburger HC Schwarz-Weiß gekürt wurde, gehört dabei zu den normalen Dingen. Sportlich schlagen sich die Osternienburger weit besser, als man es ihnen unter "marktwirtschaftlichen Bedingungen" zugetraut hätte, vor allem in der Halle, wo die Herrenmannschaft in der Saison 1995/96 den Aufstieg in die 2., und 1999/2000 den Aufstieg in die 1.Bundesliga schaffte und diesen Platz im Winter 2003/04 zum vierten mal verteidigte. Das ist ein Erfolg, wie ihn keine andere Herrenmannschaft aus den neuen Bundesländern verzeichnen kann. Aber auch mit der Breite kann man zufrieden sein. Zwar ist die Mitgliederzahl nicht mehr ganz so hoch wie vor zehn Jahren, doch die knapp 200 sind auch noch sehr ansehnlich. Damit ist man in der Lage, neben den Damen- und drei Herrenmannschaften auch in allen Altersklassen der Jugend und den Kindern im Punktspielbetrieb präsent zu sein. Darauf können die Osternienburger ebenso stolz sein wie auf die Tatsache, dass heute nicht nur die Clubs aus der ehemaligen DDR mit Hochachtung vom "Hockey-Dorf" sprechen.

Rolf Becker

Deutscher Hockey Bund

 

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