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Halle fordert neue Ligastruktur in den dritten Ligen - - 03.12.2010

Seit zwei Spielzeiten gibt es die Regionalliga Mitte nicht mehr. Seit der Kündigung des Regionalligavertrages und der Neustrukturierung des Bundesligaunterbaues klagen viele Vereine über enorme Belastungen, die aus langen Fahrtstrecken und dem resultierenden hohen Aufwand im Bundesligaunterbau resultieren. Nun hat mit dem HC Einheit Halle (Sachsen-Anhalt) ein Verein aus der Regionalliga Nord die Initiative ergriffen, um mittelfristig die Ligastrukturen zu ändern. Selbst die Gründung eines Regionalverbandes Mitteldeutschland wurde angedacht.

 

 


Eintracht Halle nutzte das Regionalliga-Derby gegen die HSG Wolfen, um in einer Podiumsdiskussion die Schwierigkeiten rund um die aktuelle Ligastruktur zu erläutern. Für die kommende Saison haben bereits alle Mannschaften aus Sachsen-Anhalt auf einen Aufstieg in die Regionalliga Nord verzichtet. Aufsteigen in die Regionalliga Nord werden stattdessen die beiden Erstplatzierten aus Bremen und Niedersachsen. Matthias Berger, Manager des HC Wolfen und Ligavertreter beim Norddeutschen Handball-Verband präferierte ob dieser Ausgangslage eine Relegationsrunde mit den zweiten der Oberliga und dem bestplatzierten Absteiger der Regionalliga, was allerdings vom Spielausschuss abgelehnt wurde. „Da hat man auch von Seiten unseres Landesverbandes unser Aufstiegsrecht einfach aufgegeben“, bedauert Frank Paulat, Präsidiumsmitglied des HC Einheit Halle.

Dass die Mannschaften aus Sachsen-Anhalt der Regionalliga Nord immer mehr die kalte Schulter zeigen, hat für Halles Präsident Frank Otto gravierende Folgen. Der Aufwand, den die Regionalliga erfordere, wachse von Jahr zu Jahr. Schiedsrichter und Zeitnehmer sowie immer weitere Fahrten sorgen für steigende Kosten. Während die Mannschaften weitgehend aus Amateursportlern bestehen, wird bei den Auswärtsfahrten ein professioneller Aufwand erforderlich. Die regionalen Derbys dagegen werden immer weniger, Fans der Gästeteams finden sich nur noch vereinzelt ein.

1300 Kilometer für ein Spiel

Otto erläuterte anhand einiger Beispiele den Aufwand. So fahren Teams aus Leipzig 650 Kilometer zur HSG Konstanz an den Bodensee, der SV Hermsdorf aus Ost-Thüringen ist 520 Kilometer Richtung Westen zur HSG Saarlouis unterwegs, Halle macht 400 Kilometer nach Fredenbeck und 390 nach Edewecht. Ein Resultat der langen Touren: In den letzten Jahren konnte jeweils keine sächsische Mannschaft in der Regionalliga Süd mithalten und den Klassenerhalt erreichen. So steigt der letztjährige Aufsteiger aus Sachsen - der Sachsenmeister HSG Freiberg verzichtete ebenso wie der Zweite HC Plauen aus finanziellen Gründen wegen den langen Fahrtstrecken auf den Aufstieg -  die SG LBV Leipzig mit 13:53 Punkten als Tabellenletzter wieder ab.

„Wir möchten die Initiative ergreifen und einen Anstoß zur Veränderung geben“, sagte Frank Paulat. „So wie jetzt kann es nicht weitergehen, das geht zu Lasten des gesamten Handballs“, meint Paulat, der darüber hinaus beklagt, dass auch der Jugendbereich von der Misere betroffen ist. Man könne Jugendlichen nicht zumuten, überregional nur mit ewig langen Fahrten spielen zu können. „Wir wollen nicht das ganze System in Frage stellen, aber wir wollen, dass Regionalliga-Handball wieder regional wird“, fordert Paulat. Folglich wird man in Halle im Sommer Vereine aus Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg zu einem gemeinsamen Austausch einladen. Ziel müsse es sein, eine gemeinsame Position zur Ligastruktur zu erarbeiten. „Auch wenn der Weg dorthin steinig sein mag und dies sicherlich nicht schon kurzfristig zu lösen ist, wollen wir es doch endlich angehen“, bekräftigt Frank Paulat.

Die fünf Regionalverbände in Deutschland organisieren derzeit fünf Regionalligen. Dies war nicht immer so: 1999 wurde eine sechste Regionalliga "Mitte" ins Leben gerufen, die von allen Verbänden getragen wurde und vom Südwestdeutschen Verband organisiert wurde. In der Staffel Mitte spielten Vereine aus Nordhessen, Sachsen und Thüringen. Nach der Runde 2004/2005 kündigten der West- und Norddeutsche Handballverband den Regionalliga-Vertrag, was letztlich zur Auflösung der Regionalliga Mitte führte. Die Vereine aus dieser Staffel wurden entsprechend ihrer Verbandszugehörigkeit auf die fünf Regionalligen verteilt. Die Kündigung des Vertrages hätte sich nur vermeiden lassen, wenn Hamburg und Schleswig-Holstein sich dem Norddeutschen Verband angeschlossen hätten, dann hätte Sachsen vom Süddeutschen in den Nordostdeutschen Verband wechseln können. So besteht der Regionalverband Nord aus Bremen, Niedersachsen und Sachsen-Anhalt, Süd aus Baden, Bayern, Südbaden, Sachsen und Württemberg, Nord-Ost aus Berlin, Brandenburg, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein und Süd-West aus Thüringen, Hessen, Rheinland, Rheinhessen, Pfalz und Saar. Einzig der West-Verband mit den Landesverbänden Mittelrhein, Niederrhein und Westfalen ist weitgehend nicht betroffen von der Problematik.  

Lösung Regionalverband Mitteldeutschland?
 

Einheit-Präsident Otto konnte sich auch vorstellen, zur Neustrukturierung der Ligen einen neuen Mitteldeutschen Regionalverband zu begründen. Nach dem Beitritt des Deutschen Handball-Verbandes wurden die Landesverbände auf dem Boden der ehemaligen DDR auf die bereits bestehenden Regionalverbände aufgeteilt. Zum einen wollte man eine Abkapselung entlang den alten Grenzen vermeiden, zum anderen den Austausch zwischen den Verbänden erleichtern und intensivieren. „Das hat ja auch gut funktioniert“, sieht Paulat hier nicht das entscheidende Problem. Die Kündigung des Regionalliga-Vertrages und die Auflösung der Regionalliga Mitte sei das Kernproblem. „Die Bezeichnung Mitteldeutscher Verband ist einfach ein Arbeitstitel, das kann auch Regionalverband Ost heißen, wir wollen da keine Ost-West-Schiene aufmachen. Denkbar wäre auch ein Zusammengehen mit Thüringen, Brandenburg und Sachsen. Wir sind nach allen Seiten offen“, sagt Paulat.

Die Stoßrichtung der Hallenser Initiative ist nicht neu. Bereits im Sommer 2006 hatte der SV Hermsdorf versucht, in einer Petition die Bildung eines Regionalverbandes Mitte auf den Weg zu bringen. In der mit „Handball ohne Perspektive!?“ betitelten Schrift stellten die Autoren Dr. Christian Bauer und Gerd Pillau vom SVH „eine völlige Perspektivlosigkeit des Handballsports nicht nur in Hermsdorf, sondern im gesamten mitteldeutschen Raum“ fest. Die Argumente waren auch hier gleich lautend. Statt ca. 4.600 Kilometer Fahrtstrecken in einer Mitte-Staffel kämen auf Hermsdorf in der Südwest-Liga ca. 12.000 Kilometer zusammen, Sponsoren sähen keinen Mehrwert in überregionalem Sponsoring und Derbys mit regionalem Bezug fielen weg.

Auch die Jugend leidet

Ähnlich wie auch in Halle sah man in Hermsdorf die Schwierigkeiten, leistungsorientierten Nachwuchshandball anzubieten. Die zurückgehenden Zahlen im Nachwuchsbereich würden zu abnehmenden SpielerInnen- und Mannschaftszahlen im genannten Raum führen – Spiele, in denen der Nachwuchs auf Landesverbandsebene gefordert wird, werden weniger. Im Bereich des Südwestdeutschen Handball-Verbandes gibt es für A und B-Jugend eine zweigeteilte Regionalliga, an der Hermsdorf aber aufgrund der Distanzen nicht teilnehmen kann. Darüber hinaus werden das Sichtungswesen und die Nachwuchsförderung von Verbandsseite aus erschwert duch die unterschiedlich großen und heterogenen Regionalverbände.

Der aktuelle thüringische Frauen-Meister HSV Apolda hat bereits auf den Aufstieg in die Regionalliga Südwest verzichtet. Hermsdorf ist aus der Regionalliga Südwest erneut sportlich abgestiegen und wird die Klasse nur aufgrund von Mannschaftsrückzügen halten, Aschersleben ist aus der Regionalliga Nord abgestiegen, Wolfen äußerst gefährdet. Kein Wunder, meint Frank Paulat: „Diese ganzen Fahrten kosten letzten Endes einen bis zwei Spieler.“

Ob der Initiative der Hallenser mehr Erfolg beschieden sein wird als der des SV Hermsdorf, darf zunächst bezweifelt werden. Mit der ehemaligen Regionalliga Mitte und der aktuellen Struktur in den Regionalligen ist einiger Sprengstoff verknüpft. Letzten Endes wird eine komplette Neustrukturierung der Regionalverbandsstrukturen unumgänglich sein, um eine dritte Liga zu schaffen, die einerseits leistungsfähig ist und andererseits die aktuellen Zwänge und Gegebenheiten berücksichtigt. Dies ist auch vor einem anderen Hintergrund aktuell. Sollte es eines Tages tatsächlich zu einer Neustrukturierung der zweiten Ligen und damit zu einer eingleisigen zweiten Liga kommen, muss spätestens dann die dritte Liga reformiert werden. 

Quelle: http://www.handball-welt.de/o.red.c/news.php?LID=&GID=1&auswahl=8942

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