Frecher Heber bedeutet das Pokalaus für die SG Wift - 20.02.2012
250 Zuschauer hatten sich in der KSV-Halle eingefunden, um sich das Viertelfinalspiel zwischen den beiden Ligakonkurrenten anzusehen. Die Einheimischen konnten vor dem Anpfiff mit Christoph Strubel noch einen Neuzugang auf der Rückraumposition vorstellen. Der 30-jährige Polizeibeamte war zuletzt vereinslos und trainierte bereits einige Zeit bei den Wittorfern mit, um sich fit zu halten. In seiner Handballkarriere hat der Rückraumschütze schon Stationen wie die SG Bordesholm/Brügge und HSG Kropp/Tetenhusen hinter sich und streift sich nun das blau-weiße Trikot über.
Die Einheimischen erwischten einen guten Start und legten los wie die Feuerwehr. Bereits beim erfolgreich verwandelten Tempogegenstoß von Bennet Kretschmer zum 4:1 (5.) kochte die Halle, beim punktgenauen Pass von Torhüter Thimo Gabriel auf den am Sechsmeterkreis wartenden Helge Rahn und der folgenden 10:5-Führung (18.) waren alle schier aus dem Häuschen. Der Trainer der Bundesligareserve, Ulrich Tobinski, nahm daraufhin eine Auszeit und orderte neue Maßnahmen an; doch ohne großen Erfolg, denn an der sehr sicheren Abwehr und dem stark aufspielenden Gabriel kamen die Kieler nur selten vorbei. Bis zur Pause hatten die Wittorfer das Spiel fest in der Hand und einen Fünf-Tore-Vorsprung (15:10) herausgeholt. „Das war eine grandiose erste Halbzeit“, befand auch Wift-Trainer Ralph Jürgensen. Doch mit dem Wiederanpfiff drehten die Kieler auf und verkürzten Tor um Tor. Tobias Flindt gelang dann auch in der 38. Minute der erste Ausgleichstreffer (zum 16:16). Jetzt ging es etwas drunter und drüber, und es folgte eine doppelte Unterzahlsituation für die SG Wittorf/FTN. Doch die Gäste verpassten es, daraus ihren Nutzen zu ziehen, und mussten sogar noch einen Treffer von Rahn hinnehmen. Bis zur 50. Minute hatten nun die „Bären“ die Nasenspitze voraus, auf jeden Ausgleichstreffer der Kieler setzten die Neumünsteraner wieder einen drauf, bis es Ingo Schmalz per Strafwurf gelang, das 22:23 und damit die erste Gästeführung zu erzielen. Michael Klimmer und Yannick Stock erhöhten für den THW Kiel II auf 25:22, woraufhin Jürgensen eine Auszeit für die SG Wift nahm. In der Abwehr wurde Stock nun auf Manndeckung genommen, doch dafür erhöhte Schmalz auf 26:22 (55.) Wittorfs Jörg Tomaschewski fasste sich schließlich ein Herz und erzielte nach siebenminütiger Torflaute endlich wieder einen Treffer für die Hausherren (23:26). Lars Bente und Christian Gau zogen nach und verkürzten den Abstand auf 25:27 (57.), nun war es Zeit für die Grüne Karte beim THW Kiel II. Nach dem Anschlusstreffer von Matthias Bente zum 26:27 (58.) ging es sehr ruppig auf dem Spielfeld zu, die offene Abwehr brachte mehrere Unterbrechungen mit sich, da der Boden ständig gewischt werden musste. Dennoch gelang es Tomaschewski, 30 Sekunden vor Schluss noch den Ausgleich zu erzielen – alles deutete auf eine Verlängerung hin. Doch Kiels Klimmer wagte vier Sekunden vor dem Abpfiff von der Außenposition einen frechen Heber über Florian Meyer hinweg, der inzwischen für Gabriel zwischen den Pfosten stand und an diesen Ball nicht herankam. Das war das Aus für die SG Wift.
„Es hat nicht sollen sein“, erklärte Wittorfs Coach Jürgensen. „Kiel ist in der zweiten Halbzeit viel zu schnell herangekommen. Ich hatte gedacht, wir könnten den Vorsprung noch etwas länger halten. Aber da hat unsere Abwehr nicht mehr richtig zugepackt, und es haben sich technische Fehler eingeschlichen. Unser Hauptaugenmerk gilt ja allerdings dem Ligabetrieb. Heute haben wir viele gute Sachen gesehen, die mich positiv stimmen“, konnte Jürgensen den Ausstieg aus dem Pokalgeschehen einigermaßen ruhig hinnehmen.
SG Wittorf/FTN (Tore in Klammern): Gabriel, Meyer, Kretschmer (3), Sellmer (2), Steffen, Rahn (3), Gau (1), Aust, Reimann (4/davon 1 Siebenmeter), Bente (3/2), Strubel (3), Tomaschewski (5), Schmidtke.
SR: Laß/Schütz. – Zuschauer: 250. – Nächster Gegner: Dithmarschen LH (H/Sonnabend, 18.30 Uhr/KSV-Halle, Oberliga Hamburg/Schleswig-Holstein).
Ilona Koopmann
Quelle: HC 20.02.2012


