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Handball auf den Inseln: 13 Stunden für ein Auswärtsspiel - 19.01.2018

Die Inseln Schleswig-Holsteins sind beliebte Urlaubsziele, doch mit Handball verbindet man Fehmarn, Sylt und Co. meist nicht. Die Lage in Nord- und Ostsee bringt für Vereine und Spieler auch einige Besonderheiten mit sich - wie zum Beispiel die Abhängigkeit vom Autozug. Ein Blick nach Westerland und Fehmarn …

 

Von Julia Nikoleit / Medienmannschaft

 

 

Bevor Lars Schnittgard mit seiner Mannschaft auf Auswärtsfahrt in der Landesliga Nord geht, ist eine umfassende Planung vonnöten. Jeden Montag versammeln sich die Trainer und Betreuer des TSV Westerland und besprechen mit dem Spielwart des Vereins die Wochenend- und Fahrtenplanung. „Wir müssen immer schon 45 Minuten fahren, um erstmal eine Auswärtstour vom Festland zu beginnen“, berichtet Schnittgard. „Wir fahren entweder mit dem Autozug bis Niebüll und dann mit unseren Bussen oder wir nehmen den Zug und dann geht es per Busunternehmen oder Taxi weiter.“

 

Die Gegner in der Landesliga führen die Mannschaft aus Westerland bis nach Neumünster und Kiel. Insgesamt zwei Busse stellt ein Sponsor dem Verein zur Verfügung, die jedoch spartenübergreifend genutzt werden. „Auswärtsfahrten müssen daher schon sehr genau und akribisch geplant werden“, erläutert Schnittgard. Die zeitlich kürzesten Touren in dieser Spielzeit waren die Fahrten nach Tarp und Jarplund - inklusive des Spiels war sein Team sieben bis acht Stunden unterwegs. Beim Auswärtsspiel in Kiel hatte der TSV mit Verspätungen bei der Deutschen Bahn zu kämpfen und war am Ende erst nach über 13 Stunden wieder daheim.

 

Die komplizierte Anreise hat natürlich Auswirkungen auf den Spielbetrieb. Anwurfzeiten am Abend erschweren den Alltag des Inselklubs, sind jedoch zeitgleich notwendig. „Wenn in Rendsburg um 18:30 Uhr Anpfiff ist, ist es unmöglich, den letzten Autozug um 21 Uhr zu bekommen“, beschreibt Schnittgard das Problem. „Auf der anderen Seite sind Anwurfzeiten vor 17:00 Uhr jedoch kaum möglich, da wir - auch das ist inseltypisch - teilweise noch am Samstag bis mindestens 12:00 Uhr arbeiten müssen.“

 

Spiele unter der Woche sind für die Sylter so unmöglich zu realisieren. Im Viertelfinale des Landespokals konnte seine Mannschaft daher nicht antreten, da der Gegner nur Termine in der Woche um 19:00 Uhr herum anbot. Um das zu schaffen, hätte Schnittgard mit seiner Mannschaft spätestens um 14 Uhr abfahren müssen, was für seine Spieler arbeitstechnisch nicht machbar war. „So waren wir kampflos raus und mussten noch eine hohe Nichtantrittsstrafe zahlen“, ärgert sich der Coach.

 

Bei der Terminierung der Heimspiele bemüht sich Westerland hingegen, seinen Gästen entgegenzukommen. „Wir planen unsere Heimspiele so, dass unsere Gegner noch gut nach Hause kommen“, unterstreicht Schnittgard. Einige Gegner würden auch im Vereinsheim des TSV übernachten und aus der Partie einen Wochenendtrip machen. Er wünsche sich einfach, dass auch „Verband und Gegner unsere Situation ein wenig beachten und ein wenig Fingerspitzengefühl walten lassen“. Positive Erfahrung machten die Sylter mit der SG Pahlhude/Tellingstedt. Aufgrund von Bahnproblemen verzögerte sich die Anreise, doch dann „holte der Gegner uns am Bahnhof ab, damit wir es überhaupt noch schafften“, schildert Schnittgard dankbar.

 

Die Probleme, mit denen die Männer zu kämpfen haben, lassen sich auf die Frauen- und Nachwuchsmannschaften des Vereins übertragen - auch, wenn bei den Kindern und Jugendlichen die Wege zum Auswärtsspiel nicht ganz so weit sind. Die Auswirkungen auf den Spielbetrieb sind jedoch nur eine Seite der Medaille. Die Lage vor der Küste bringt auch andere Erschwernisse mit sich: Der Weg zum Training ist lang, wenn man vom Festland kommt und ist bei schlechtem Wetter schon einmal unmöglich. Neue Spielerinnen und Spieler für sich zu gewinnen, ist oft kompliziert und die Fahrtkosten belasten die Vereinskasse.

 

„Die Insellage und die daraus resultierenden Probleme sorgen dafür, dass es sehr schwierig ist, höherklassigen Sport zu betreiben“, fasst Schnittgard zusammen. Die Fußballer des Vereins mussten ihre erste Mannschaft in der Winterpause abmelden, da sie auf Dauer keine spielfähige Truppe stellen konnten. Die Handballer stemmen sich mit viel Einsatz gegen eine solche Entwicklung. Schnittgard: „Es gehören Glück, viel Arbeit und Geduld, engagierte Leute und - ganz wichtig - ein intaktes, gutes Umfeld von Verein, Fans und Sponsoren dazu, um die Abteilung am laufen zu halten.“

 

Während der Handball auf Sylt Tradition hat - beim TSV gibt es die Sparte seit 1946 - kann nicht auf allen Inseln des nördlichsten Bundeslandes solch ein Aufwand geleistet werden. Auf Föhr und Pellworm bieten die Klubs immerhin noch Training an, nehmen jedoch nicht am Spielbetrieb teil; auf Helgoland und Amrum findet der Sport hingegen quasi nicht statt. Auf der größten Insel ist der Handball jedoch ähnlich wie in Westerland eine Erfolgsgeschichte. Der SV Fehmarn stellt derzeit zehn Mannschaften, die männliche C-Jugend wurde in der vergangenen Saison Regionsmeister. „Wir können in Ostholstein mit den Spielgemeinschaften super mithalten und auch Auswahlspieler stellen“, freut sich Jannick Taurino, der in dem Klub groß wurde und aktuell sein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) im KHV Ostholstein absolviert.

 

Anders als der TSV Westerland hat es der SVF etwas einfacher, da die Insel über die Fehmarnsundbrücke mit dem Festland verbunden ist, die auch Autos befahren können. Der Sylter Hindenburgdamm dient ausschließlich dem Bahnverkehr. „Nachwuchsspieler sind eigentlich relativ gut zu finden, da wir auch mit den Schulen auf Fehmarn kooperieren können und wenige aufs Festland wechseln“, erläutert Taurino. Doch auch an der Ostseeküste kennt man ‚Inselprobleme‘: In der Region habe man „von Fehmarn aus natürlich die längsten Fahrzeiten“. Auch das Wetter spielt eine Rolle: „Tatsächlich mussten wir schon Spiele absagen, da die Brücke aufgrund von starken Sturm gesperrt war“, erinnert sich der FSJler. „Dies ist jedoch ganz selten der Fall.“

 

Von ihrer geografischen Lage wollen sich jedoch weder der SV Fehmarn noch der TSV Westerland herunterziehen lassen. „Änderungen im Spielplan oder dem Modus sind kaum umzusetzen, da die Anzahl der Mannschaften zurückgeht und man generell immer weiter fahren muss“, weiß Taurino, dass die Probleme auch über die Inselküsten hinausgehen. „Es ist nicht leicht für uns, überhaupt Mannschaften im Spielbetrieb zu halten - das zieht sich durch alle Sparten auf der Insel wie ein roter Fader“, sagt auch Schnittgart. Seine Mannschaft steht im Mittelfeld, das Saisonziel ist damit trotz Verletzungssorgen und Problemen mit der Deutschen Bahn erreichbar - und die Leidenschaft macht die Erschwernisse mehr als wett. Schnittgard: „Wir kennen unsere Situation hier auf der Insel alle und meckern nicht, sondern versuchen vielmehr, sie im sportlichen Sinne zu lösen, weil wir alle den Handball lieben.“ Daran wird auch die komplizierte Planung der weiteren Auswärtsfahrten nichts ändern. 

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