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„Neu denken ist erlaubt“: HVSH-Präsident Dierk Petersen im großen Weihnachtsinterview - 21.12.2017

Seit Mai 2017 ist Dierk Petersen Präsident des Handballverbandes Schleswig-Holstein. Im großen Weihnachtsinterview blickt der Verbandschef auf die letzten sieben Monate zurück, spricht über die Suche nach einem neuen Geschäftsführer sowie die gute Zusammenarbeit mit den Kreishandballverbänden und verrät, welche Themen ihm besonders am Herzen liegen …

 

Herr Petersen, Sie sind jetzt seit gut sieben Monaten im Amt. Wie fällt Ihr Fazit aus?

 

Ich muss ehrlich sagen: Es war ein Lernprozess für mich - mit dem Ergebnis, dass ich mich auf das freue, was jetzt kommt. Ich glaube, wir können erst ab jetzt wirklich anfangen, neu zu denken. Wir wollen nun gemeinsam eine Idee für den Handballverband entwickeln und ihn modern aufstellen. Das wird auch eine Reaktion auf die Umstrukturierung des Deutschen Handballbundes sein müssen.

 

 

Der DHB hat auf dem Bundestag Ende Oktober seine Struktur an den DOSB angeglichen und wird nun von einem hauptamtlichen Vorstand geführt. Inwiefern hat das Auswirkungen auf die Arbeit im HVSH?

 

Der DHB strebt eine höhere Professionalität an - und das bedeutet, dass wir das mitgehen müssen. Die Vernetzung muss intensiviert werden! Wir müssen wissen, was von oben kommen kann und uns auch verstärkt einbringen, bevor Entscheidungen gefasst werden. Das ist zum einen eine große Herausforderung; es heißt aber auch, dass wir ein Teil des Prozesses sind und ihn mit gestalten können. Das ist eine tolle Sache.

 

Sie haben eben gesagt, Sie können erst ab jetzt wirklich anfangen, neu zu denken. Was hat diesen Prozess die letzten sieben Monate verlangsamt?

 

Die Umgestaltung der Geschäftsstelle war, auch für mich, ein riesige Belastung - und ist es ohne Frage auch immer noch. Ich habe lernen dürfen, was so eine Geschäftsstelle alles abbilden muss - über Beachhandball, Schiedsrichterwesen und das Lehrwesen bis hin zu den Kaderspielern, dem Spielbetrieb, den Pokalmeisterschaften und den Special Olympics im nächsten Jahr. Das sind alles große Herausforderungen für uns und erfordern einen regelmäßigen Austausch. Dadurch werden Zeitressourcen gebunden - und sei es nur, um Mails zu beantworten und dadurch zu sagen: Ja, wir sind noch da. Ich ziehe den Hut vor dem, was die Geschäftsstelle - auch ohne Geschäftsführer im Amt - geleistet hat, muss aber auch erkennen, dass wir Dinge verändern können, um Arbeitsschritte abzukürzen und Mitarbeiter effizienter einzusetzen. Da haben wir bereits einige Ideen.

 

Um dort einzuhaken: Wie ist der Stand, was die Suche nach einem neuen Geschäftsführer angeht?

 

Am 30. November war Bewerbungsschluss und wir haben rund 35 Bewerbungen erhalten. Davon hätten wir mindestens 25 Kandidaten sofort einstellen können (lacht). Es gab ganz tolle Bewerbungen aus Sportverbänden und anderen Sportarten, von Kaufleuten aus der Wirtschaft und Menschen, die bereits viele Jahre im Handball aktiv sind. Es hat mich echt gefreut, diese Bewerbungen lesen zu dürfen, aber wir können uns halt nur für einen Geschäftsführer entscheiden. Die Gespräche laufen nach Weihnachten weiter und dann wird die Öffentlichkeit informiert.

 

Haben Sie sich intern eine Deadline gesetzt?

 

Der 15. Januar ist für mich eine Deadline, da möchte ich gerne eine Entscheidung haben - und dann gehen wir in die Gestaltungsphase; in die Ideenfindung für die Dinge, die wir verändern wollen. Unabhängig davon haben wir weiter ein Kerngeschäft zu erledigen, denn der Spielbetrieb läuft weiter, die Pokalspiele stehen an und die Jugendmannschaften werden neu geordnet. Wir werden also viel, viel Arbeit im Spielbetrieb haben und dann schauen, wo wir stehen und wann wir tatsächlich anfangen können, an den verschiedenen Projekten zu arbeiten. Wir haben verschiedenste Projekte - von Handbüchern über Aktionen zur Mitgliedergewinnung bis hin zum Schiedsrichterwesen - bewilligt bekommen und wir wollen diese Projekte gut machen, um auch im nächsten Jahr wieder an die Fördermittel zu kommen. Das ist ein großer Auftrag für alle Beteiligten auf der Geschäftsstelle und im Ehrenamt.

 

Stichwort Veränderung: In welchem Bereich wollen Sie den Schwerpunkt setzen?

 

Ich würde auf jeden Fall das Schiedsrichterwesen in den Fokus stellen, damit sind wir auch schon gestartet. Der nächste Schwerpunkt, den ich sehe, ist die Betrachtung der Landesauswahlen und der dazugehörigen Struktur. Ich möchte mit den Vorsitzenden der Kreishandballverbände sprechen, ob unser System, die besten Spieler über die Kreisauswahlen in die Landesspitze zu geben, noch zeitgemäß ist. Diese Diskussion wird sicherlich ein großes Thema werden. Ich hoffe, dass wir da richtungsweisende Entscheidungen treffen können, welche die Landschaft des gesamten Leistungsbereichs in Schleswig-Holstein verändern können. Dafür will ich die Kreishandballverbände gewinnen, weil ich ihnen zutraue, dass sie dort objektiv draufschauen. Einige Kreishandballverbände haben es ja bereits schwer, gute Kreisauswahlen zusammenzustellen - gerade im weiblichen Bereich.

 

Weil die Breite an Spielern fehlt, aus denen sich eine Spitzen bilden lässt?

 

Die Masse an guten Spielern hat sich in dem Alter manchmal bereits konzentriert, sodass es ein ungleicher Wettbewerb ist. Auch die Sichtung der Spielerinnen und Spieler sollten wir in Frage stellen: Sind wir da gut? Sind wir objektiv? Nehmen wir wirklich alles auf? Haben wir auch Spieler im Blick, die durchs Sieb gerutscht sind, weil sie auf der Sichtung einen schlechten Tag hatten? Sind wir flexibel genug, dort nachzuhaken und uns diese Spieler noch einmal anzuschauen? Dazu sollen sich die Fachleute äußern - und vielleicht sind sie ja auch zufrieden. Ich möchte dieses wichtige Thema nur beleuchtet wissen.

 

Die Kommunikation des Präsidiums mit den Kreishandballverbänden ist in den letzten Jahren immer wieder ein großes Thema gewesen. Ist es Ihnen bereits gelungen, die Gräben aufzufüllen?

 

Wir haben eine Sitzung im Erweiterten Präsidium gehabt und es war ein sehr nettes Miteinander. Die Sitzung verlief sehr harmonisch, wir sind uns in allen Punkten sofort einig gewesen, das war richtig klasse. Ich hoffe sehr, dass es so bleibt.

 

Die Gräben werden also tatsächlich zugeschüttet und neue Brücken gebaut?

 

Eindeutig. Ich würde sogar sagen: Ich sehe keinen Graben mehr zwischen den Kreishandballverbänden und uns. Ich habe auch gemerkt, dass ich meine Kollegen - die Vorsitzenden der Kreishandballverbände - in den letzten Jahren zu wenig gesehen und gesprochen habe. Wir machen jedes halbe Jahr eine Sitzung im Erweiterten Präsidium und dazwischen trifft man sich kaum. Das möchte ich verändern. Ich möchte mindestens zwei weitere Gesprächsangebote unterbreiten. Das finde ich wichtig und es ist ein Bedürfnis, das auch andere Vizepräsidenten haben. Wir möchten mehr Nähe zu den Kreishandballverbänden, denn das sind schließlich unsere Mitglieder. Sich einmal in sechs Monaten zu sehen, ist da zu wenig. Wenn man gut miteinander umgehen will, braucht man aus meiner Sicht einen häufigeren Austausch.

 

Ein Stichwort, das in den letzten Monaten und Jahren eigentlich immer fällt, ist der Mitgliederschwund. Sie haben das eben bereits positiv „Mitgliedergewinnung“ genannt. Welche Ideen haben Sie für diesen Bereich?

 

Wir möchten uns in den Schulen stärker platzieren. Ich könnte mir zum Beispiel gut vorstellen, dass wir Medien, die es bereits gibt, verstärkt an die Sportlehrer herantragen. Eine andere Möglichkeit wäre vielleicht auch, Schulen über eine Projektförderung zu unterstützen und Material zur Verfügung zu stellen. Das ist der erste Baustein und ich denke, da haben wir auch eine gute Chance. Wir gewinnen nichts, wenn wir immer wieder sagen: „Wir haben einen Mitgliederschwund und sind so traurig darüber.“ Wir sollten vielmehr dahin kommen, dass wir Projekte benennen, über die wir uns freuen sowie die Kommunikation stärken. Dann werden wir sehen, dass es geht.

 

Sie wollen also eine neue Aufbruchsstimmung erzeugen?

 

Das Wort ist mir ein bisschen zu stark, denn es impliziert, dass sofort ein sichtbarer Effekt eintritt. Das kriegen wir vielleicht nicht hin. Mit den Universitäten in Kontakt zu treten und Handball in die Ausbildungszweige zu bringen, wird beispielsweise ein bis zwei Jahre dauern. Wir sollten die Erwartungshaltung also ein Stück zurücknehmen, aber an dem Thema dranbleiben. Ein Beispiel, wie es funktionieren kann, ist der Grundschulaktionstag. Dort haben wir an einem einzigen Tag 10.000 Kinder im Handballtraining gehabt! Wie großartig ist alleine diese Zahl?! So eine erfolgreiche Aktion muss dann vielleicht nicht nur einmal stattfinden, das können wir auch zwei- oder sogar dreimal veranstalten. Wir müssen diese guten Dinge, die wir bereits tun, noch besser vermarkten.

 

Themenwechsel: Um die Jahreswende stehen die Turniere um den Länderpokal an, außerdem ist im kommenden Jahr wieder die DHB-Sichtung in Kienbaum. Welchen Stellenwert haben die Landesauswahlen für den Verband?

 

Für mich hat es einen sehr, sehr großen Stellenwert, aber ich glaube, die größte Arbeit wird in den Vereinen geleistet. Wenn ich das professionelle Training in Flensburg, Kiel, Schwartau und Sieverstedt sehe, frage ich mich immer: „Wer sind wir als Verband in der Laufbahn dieser Persönlichkeiten wirklich?“ Das Aufbautraining dieser tollen, künftigen Spitzenhandballer leisten die Vereine! Wenn ich sehe, wer alles selbst hochklassig gespielt hat und nun im Jugendbereich arbeitet, ist es aus meiner Sicht unerlässlich, diese Menschen zusammenzubringen. Ein solches Netzwerk aller Spitzentrainer in Schleswig-Holstein für den Jugendbereich gehört in eine Struktur gebunden - gerne auch mit einem Headcoach, der von oben neutral guckt, damit nicht einer beschuldigt wird, die Guten zu sich zu ziehen, weil er gerade in Verantwortung ist.

 

Welchen Vorteil würden Sie sich von einem solchen Netzwerk versprechen?

 

Das Netzwerk würde es ermöglichen, flexibel zu sein. Wenn wir in einem Kader von 22 Leuten sechs herausragende Spieler haben, müssen wir die früher zusammenbringen. Wo aber könnten wir das machen? Kiel baut ein Leistungszentrum, Flensburg hat die Akademie und in Schwartau gibt es auch etwas ähnliches. Wir müssen also schauen, wo wir diese Superspieler gemeinsam wirklich sinnvoll platzieren können - und nicht den Konkurrenzgedanken in den Vordergrund stellen. Stattdessen sollten wir sagen: Wir wollen ein gutes Ausbildungsland werden. Ich habe Spaß dran, drüber nachzudenken.

 

Das wäre … ziemlich revolutionär. Meinen Sie, das wäre tatsächlich umzusetzen?

 

Natürlich sind wir ganz am Anfang, weil es in jedem Verein verschiedene Trainer gibt, die eine eigene Idee vorantreiben. Diese Persönlichkeiten mitzunehmen, wird eine Kunst sein, doch ich möchte mich dem gerne stellen. Das ist aus meiner Sicht bei so einem Land wie Schleswig-Holstein angezeigt. Wir haben das nicht nur im Männerbereich, sondern in der 3. Liga Frauen genauso. Im Mädchen- und Frauenbereich gibt es einen riesigen Bedarf, darüber nachzudenken, ob es so, wie es läuft, wirklich gut läuft. Vielleicht müssen wir auch sagen: „Liebe Trainer, kommt mal zusammen und lasst überlegen, ob wir nicht gemeinsam eine Mannschaft aus Schleswig-Holstein in der 2. Bundesliga etablieren können.“ Ob uns solche Gedanken als Verband mit wenig Geld zustehen, weiß ich nicht, aber das ist mir egal (lacht). Wenn ich Präsident bin, muss ich das zumindest andenken dürfen.

 

Im Vorgespräch haben Sie bereits von der „Chance, zu gestalten“ geschwärmt …

 

Genau! Da haben wir in den nächsten Jahren - bis zum nächsten Verbandstag - viel zu tun. Dass all diese Themen eine Rolle spielen können, habe ich bei Amtsantritt so nicht gedacht. Ich komme so langsam tiefer rein. Der Verband hat natürlich das Kerngeschäft des Spielbetriebs sicherzustellen, wird aber auch immer wieder herausgefordert. Wir müssen uns bei allem fragen: Ist das gut? Läuft das? Können wir etwas verändern? Es ist nicht alles schlecht, was läuft, das will ich auf keinen Fall sagen, aber neu denken ist erlaubt.

 

Haben Sie es bereut, dass Sie sich zur Wahl gestellt haben?

 

Nein, noch nicht einen Tag! Wir haben ein klasse Klima im Präsidium, es ist sehr harmonisch nach vorne ausgerichtet. Wir können uns aber auch jederzeit sagen: „Du bist auf dem falschen Weg“ oder „Das musst du noch bedenken“. Es ist ein richtig gutes Miteinander. Ich hoffe, dass wir mit einem neuen Geschäftsführer noch weitere Themen aufnehmen und liegengebliebene fortführen können.

 

Welche Wünsche haben Sie für 2018?

 

Ich wünsche mir Stabilität auf der Geschäftsstelle, gute Ideen, eine Umsetzung der Projekte, die wir angestoßen haben und vor allem ein harmonisches Miteinander.

 

In einem Satz: Wie sehen Sie den Verband für das kommende Jahr aufgestellt?

 

Wir sind noch in der Findungsphase, aber stabil und in die Zukunft ausgerichtet. 

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