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Zum Tode Bernhard Kempas – Erinnerungen von Volker Schneller - 24.07.2017

Volker Schneller (78), selbst Feldhandballweltmeister (1966) und mehrfacher Deutscher Meister als Spieler (TSV Ansbach) und Trainer (1. FC Nürnberg/Frauen, TuSpo Nürnberg/Jugend, Bayer Leverkusen/Frauen), hat aufgeschaut zur Generation Kempa. Anlässlich des Todes des legendären Göppingers erinnert sich der frühere Flensburger Torjäger an den Mann, den heutzutage viele vor allem wegen des nach ihm benannten Kempa-Tricks kannten.

 

Wie war das denn nun mit dem Kempa-Trick? Ich hatte Gelegenheit, den Erfinder höchstpersönlich danach zu fragen.

 

Es war während eines Lehrgangs. Bernhard Kempa und ich saßen zusammen beim Essen – da erzählte er mir, dass diese finale Zuspielform mit der spektakulären Verwertung in der Luft aus einer Not geboren wurde: „Ich hatte wegen der meist riesigen Abwehrmauer der Gegner Probleme unseren Fritz Jarosch (gerade mal 1,70 m groß) am Kreis anzuspielen, und so machten wir aus einem Zufallsprodukt im Training eine erfolgreiche Abschlussvariante“, verriet er mir.

 

Und was war das für ein Zufall? Ich hoffe, ich erinnere mich noch richtig an seine Schilderungen: Ein Pass von Kempa war im Training bei einem Gegner hängengeblieben und auf den Boden im Kreis aufgesprungen. Jarosch sprang hinterher, fing den prellenden Ball und warf aufs Tor. Diese Variante wurde im Nachgang verfeinert, indem der Ballkontakt des Gegners einfach ausgespart wurde.  Das soll der tatsächliche Ursprung des Kempa-Tricks gewesen sein, auch wenn noch andere Versionen kursieren.

 

Bernhard auf diesen Trick zu reduzieren, verbietet sich. Eine Legende wird man nicht nur durch die Erfindung eines Tricks. Bernhard war – und das meine ich mit dem größtmöglichen Respekt – ein Filou. Ein Künstler. Und gewissermaßen auch eine Art eine Leitfigur. Ich möchte das erklären:

 

In den Nachkriegsjahren musste sich auch in der Bundesrepublik der Handball wieder neu aufstellen und es waren zahlreiche wunderbare Akteure, die unseren herrlichen Sport zeitnah zurück „unter das Volk“ brachten. Fast jeder Verein, jede Region hatte seine Vorbilder, und obwohl praktisch zeitgleich der Hallenhandball in den meisten deutschen Städten und Gemeinden aus Mangel an brauchbaren Sporthallen nur mühsam Fuß fasste, schaffte es der Handball doch rasch wieder, seine Fangemeinde zu aktivieren. Feldhandball lockte schon bald erneut tausende Anhänger auf die Sportplätze. Manchen Topspielen wohnten Zuschauer im fünfstelligen Bereich bei.

 

Obwohl es damals noch kein oder höchstens vereinzelt Fernsehen gab und die Printmedien meist andere Prioritäten setzten, erlangten drei Handball-Größen Legendenstatus: Hein Dahlinger vom THW Kiel, Bernhard Kempa aus Göppingen sowie Bernd Kuchenbecker vom FTB/Sportfreunde Flensburg. Ich hatte das große Glück und die große Ehre, sie alle drei persönlich kennenzulernen. Während ich, der gebürtige Flensburger, als damals Jugendlicher Kuchenbecker einige Jahre regelmäßig bei den Spielen live erlebte und dieser mir später viele wertvolle Anregungen für meine eigene Laufbahn vermittelte, konnte ich noch insgesamt achtmal im Rahmen unserer regionalen Meisterschaften in der Halle und auf dem Feld gegen ‚Hein Daddel’ vom THW spielen, später auch noch eine Vorrundenbegegnung zur deutschen Meisterschaft mit dem TSV Ansbach, wo ich ab 1960 aktiv war.

 

Bernhard Kempa begegnete ich nur noch zweimal als Spieler – stets mit großer Bewunderung –, allerdings resultierte der nähere Kontakt zu ihm aus der Zeit, in der er mein Trainer in der süddeutschen Auswahl war und mich beispielsweise bei den damals schon gängigen Ländervergleichen auf dem Großfeld coachte.

 

Es war einfach ein Erlebnis, diese drei so überragenden Handballer und Vorbilder hautnah zu erleben. Oft haben wir – damals – junge Burschen überlegt, was diese Legenden aus dem Kreis weiterer hervorragender Handballer noch herausragen lässt. Natürlich war da zunächst ihr genialer Umgang mit dem Spielgerät, von allen habe ich mehrfach gesehen wie sie selbst auf aufgeweichtem Boden bei Wind und Wetter den oft durch Nässeeinwirkung pfundschweren Lederball im vollen Sprint mit einer Hand fingen und ihn mit dem dritten Schritt punktgenau über 10, 15, 20 Meter an den ebenfalls sprintenden Nebenmann weiterleiteten oder auch direkt einen Torwurf durchführten. Hinzu kamen ihre fantastischen Fähigkeiten, ein Spiel und den Gegner zu lesen, ihre verblüffenden Zuspiele oder auch ihre Verantwortungsbereitschaft in jeder Phase einer Begegnung. Das galt vor allem für Bernhard.

 

Am meisten aber beeindruckte es uns als Nachfolgergeneration, die Porzners, Lübkings, Muncks, Karrers, Schwenkers oder mich, wie diszipliniert diese drei Ausnahmespieler selbst auf unredliche Attacken der oft frustrierten Gegenspieler reagierten, oder eben gar nicht reagierten, was wohl auch dazu führte, dass man sie damals „die drei Gentleman des deutschen Handballs“ nannte. Alle drei hatten ihre Stärken natürlich auf dem Großfeld, fanden sich aber allein schon wegen ihrer komplexen Fähigkeiten rasch auch in dem sich zunehmend Raum greifenden Hallenhandball zurecht. Kuchenbecker war ein hervorragender Stratege, Kempa mit ähnlich großem taktischen Instinkt ausgestattet und zudem von seiner Spielweise und seinem Repertoire an Tricks ein Schelm, ein Filou auf dem Platz, während Dahlinger von ihnen die größte Dynamik und Durchschlagskraft hatte.

 

Man möge mir nachsehen dass ich hier die vielen anderen Topspieler der damaligen Zeit nicht erwähne, auch in der ehemaligen DDR gab es sie freilich, nur blieben uns diese politisch bedingt zunächst weitestgehend unbekannt. Wie großartig auch dort Handball gespielt wurde, erlebte ich 1963 und 1966 in zwei WM-Endspielen, nur war dies beiderseits schon die nächste Generation.

 

Unsere Vorbilder – auch wenn wir mitunter sogar noch gegen sie spielten, das waren Kuchenbecker, Dahlinger – und Kempa. Dass dieses Trio an den westdeutschen Triumphen bei den Feldhandball-Weltmeisterschaften in den Fünfzigern entscheidenden Anteil hatte, kommt nicht von ungefähr. Jeder für sich war auf seine Art ein ganz Großer seiner Zunft. Und vor allem Kempa zurecht schon zu Leb-, ach schon zu aktiven Zeiten eine Legende. Und das lag gewiss nicht nur an seinem Trick. Von der Generation Kempa konnte man sich damals schon viel abschauen. Und heute auch noch.

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