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WM Kolumne: Rechtzeitig die Kurve gekriegt

- 02.02.2015

Gratulation an unser Team. Gratulation an Dagur Sigurdsson. Als es darum ging, doch noch mal alle Kräfte zu bündeln und die Chance auf die Olympia-Qualifikation zu sichern, hat es mit viel Leidenschaft und Zielstrebigkeit die Kurve gekriegt. Der 30-27-Erfolg gegen die Slowenen ist so etwas wie ein Happy End bei dieser WM. Platz sieben, vor allem aber die Bilanz dieser jungen Truppe mit sechs Siegen, einem Unentschieden und nur zwei Niederlagen kann sich sehen lassen. Dabei hatten die Niederlagen gegen Qatar im Viertelfinale und gegen Kroatien (23:28) im ersten Platzierungsspiel am letzten Freitag darauf hingedeutet, dass es mit ihrer Substanz und Konstanz doch noch nicht so weit her ist. 


Und auch der Start in das vermeintliche Alles-oder-Nichts-Spiel gegen Slowenien (4:7/12.) sprach zunächst nicht dafür, dass die DHB-Auswahl noch einmal Zugriff auf ihr großes Ziel, die Olympischen Spiele 2016, bekommt. Sie hat sich aber gleichermaßen erstaunlich wie erfreulich gesteigert. Nach der knappen Pausenführung (16:14) spielte sich das Team angeführt vom frühzeitig eingewechselten Silvio Heinevetter im Tor, dem diesmal groß aufspielenden Uwe Gensheimer und Kiels Patrick Wiencek, regelrecht frei und bewies Nervenstärke als auch – und das ist bemerkenswert – taktische Stabilität. Dass sie noch einmal alles aus sich herausholte, verdeutlicht der Einsatz von Steffen Weinhold, der sich trotz Verletzung aufstellen ließ und mithalf, die Olympia-Qualifikations-Qualifikation zu sichern. Bundestrainer Sigurdsson bewies ein gutes Händchen und Durchblick am Samstag, wechselte geschickt und hatte auf alle ihm vom cleveren Slowenen-Coach Boris Denic gestellten Herausforderungen eine Lösung. 
 

Teil des aufgegangenen Plans war es, die Aufgaben auf die Breite des Kaders zu verteilen. In der Defensive wie im Angriff. Die Tore verteilten sich diesmal auf zehn deutsche Spieler. Mit seinen 13 Treffern ragte dabei Uwe Gensheimer heraus. Er war am Samstag der erhoffte Führungsspieler – auf Linksaußen. Der Sieg geriet nach der Pause kaum noch in Gefahr. Das muss und darf man den Jungs hoch anrechnen. Sie haben sich aus der Abwärts-Spirale befreit. Auch ein Verdienst des Trainers, besonders mit Blick auf das Slowenien-Spiel. Dort hat er offenkundig schon im Vorfeld – also in den wenigen Stunden, die ihm nach dem enttäuschenden Auftritt gegen Kroatien blieben – und während der Abschlusspartie einen sehr guten Job gemacht.

Sind wir ehrlich: Wäre auch das Spiel gegen Slowenien verloren gegangen, die Bilanz der WM wäre deutlich eingetrübt und letztlich sogar enttäuschend gewesen. Denn wenn am Ende einer solchen WM Platz acht – zur Erinnerung: bei der letzten unter Martin Heuberger wurde die DHB-Auswahl Fünfter –, eine womöglich verpasste Olympia-Chance und drei Niederlagen in Serie gestanden hätten, wäre der deutsche Handball faktisch wieder dort angelangt, wo er vor dem Umbruch schon war. Und die noch frische Aufbruchstimmung wäre dahin gewesen. So aber wurde sie nicht nur konserviert – man kann auf ihr weiter aufbauen. Die Olympia-Qualifikation wäre nun ein weiterer, ganz wichtiger und nachhaltiger Schritt zurück in die Weltspitze. Aus dem drohenden Abseits jedenfalls hat sich das Team heraus gespielt und gekämpft. Rio 2016 erscheint ein  realistisches Ziel. 

Natürlich darf bei der Aufarbeitung der WM durch den DHB und die HBL nicht ungeachtet bleiben, dass dem Team noch die Tiefe im Kader fehlt. Der Bundestrainer hatte nur wenige adäquate Optionen zu seinem Kernteam. Hier ruhen die Hoffnungen auf einigen Akteuren, die in der Wüste verletzungsbedingt fehlten, auf den jungen WM-Debütanten wie Paul Drux, die weiter reifen und absehbar noch stärker werden dürften, und auf so manchem Perspektivspieler, der diesmal noch nicht dabei war. Unerschöpflich ist das Repertoire auf höchstem Niveau freilich nicht, zumal viele Kandidaten – die meisten – nicht den Spitzenteams der Bundesliga angehören. Die HBL muss sich weiter in der Verantwortung sehen, der Nationalmannschaft zu helfen, indem sie Spieler mit internationaler Wettkampfhärte zur DHB-Auswahl schickt. Dass noch mehr Jungs bei den auch international im Brennpunkt stehenden Topmannschaften wie Kiel, Flensburg oder Mannheim eine Rolle spielen sollten, ist Theorie. Ich weiß: Und ein ermüdendes Thema, weil in der Praxis zugegebenermaßen nicht so einfach umzusetzen. 

Immerhin steigen die Spielanteile der jungen Leute bei ihren Klubs, wenngleich wir hier von der Breite der Liga reden, nicht von der Spitze. Aber: Es ist schon mal äußerst positiv, dass inzwischen zumindest nicht mehr gegen die Interessen der Nationalmannschaft agiert wird. Und zwar derart, dass manchem Spieler hinter den Kulissen nicht mehr abgeraten wird, zur DHB-Auswahl zu reisen, wenn dies mit etwaigen Vereinsinteressen kollidiert. Diesen Druck dürfen die Spieler nicht mehr empfinden, sich nicht mehr einem Interessen- und Gewissenskonflikt ausgesetzt fühlen. Ganz im Gegenteil. Und das ist augenscheinlich auch nicht mehr der Fall. Das war längst nicht immer so.

Teil der Analyse muss freilich auch sein, ob die deutsche Auswahl tendenziell nicht am stärksten war, solange sie sich in einer Art Außenseiterrolle befand, wenig zu verlieren hatte und entsprechend unbekümmert auftreten konnte. Ich denke dabei an die tollen Leistungen gegen Polen und Dänemark. Gegen Ägypten im Achtelfinale war es vor allem der überragende Carsten Lichtlein im Tor, der nachhalf und das deutsche Team mit seinen Paraden wieder lockerer machte. Doch gegen Qatar schien die in diesem Match schon allseits favorisierte DHB-Auswahl den Erwartungsdruck nicht abschütteln zu können. Sie wirkte gehemmt und nervös. Wenngleich sich im Nachhinein sagen lässt: Man scheiterte am WM-Finalisten. Wie andere Teams vor- und nachher. 

Auch der erste Matchball in Sachen Olympia-Qualifikation-Qualifikation wurde vergeben. Das mag an der Enttäuschung über das Qatar-Spiel und mangelnder Energie sowie an Weinholds Verletzung gelegen haben. Kopf und Beine waren müde – und das ist menschlich. Doch vor dem Hintergrund, dass die fehlende nervliche Belastbarkeit Deutschlands Handballern schon früher oftmals im Weg stand – nicht umsonst wurde ihnen ja jahrelang die nötige Siegermentalität abgesprochen –, sollte die Auswertung der WM auch diesen Aspekt einschließen. Immerhin: Gegen Slowenien waren die Jungs letztlich dann doch zur Stelle – als Team. Zwar hatte sich schon vorher abgezeichnet, dass selbst Platz acht noch nicht das Aus für Olympia bedeuten würde, doch Kapitän Gensheimer und seine Teamkollegen ließen sich gar nicht erst auf Eventualitäten und Rechenschieberspiele ein. Ihre Mentalität stimmte. Das kann und sollte das positive Fazit dieser WM aus deutscher Sicht sein. Wird es vermutlich auch, wenn die DHB-Verantwortlichen erst einmal bilanziert haben. Mission geglückt.

Noch ein paar Worte zum neuen Weltmeister: Dass Frankreich sich die Krone zurück erobert hat, ist sicher nicht als große Überraschung zu bezeichnen. Zwar waren nicht alle Cracks dabei, doch in der Breite haben die Franzosen neben Spanien immer noch den qualitativ stärksten Kader – darunter auch jüngere Spieler. Am Ende aber waren es vor allem die Routiniers, die das Finale gegen Qatar entschieden, übrigens lauter ehemalige Kieler: Thierry Omeyer, Daniel Narcisse und natürlich Nikola Karabatic, den ich ja schon in der Auftaktkolumne als Spielertrainer bezeichnete, weil er Angriff und (!) Abwehr diktieren und lenken kann, wie kein anderer … – umgesetzt mit seiner unglaublichen Physis und Traute. Es ist sicher kein Zufall, dass die einzige Talsohle, durch die Frankreich in den letzten Jahren ging, zeitlich mit der persönlichen Krise Karabatic’ einherging. Inzwischen ist er wieder auf seinem persönlichen Top-Niveau. Und hat eine Menge Einzelkönner um sich, die von seiner Übersicht und seiner Wucht profitieren. Ich behaupte nicht zum ersten Mal, dass es vermutlich keinen anderen Trainer gibt, der derart viele große Titel gewonnen hat und selbst dabei vergleichsweise wenig dazu beigetragen hat wie Claude Onesta. Wo’s lang geht, entscheidet im französischen Spiel Nikola Karabatic, unabhängig von seiner Trefferzahl. 

Übrigens: Vor dem zweiten Platz Qatars muss man trotz einiger fragwürdiger Schiedsrichter-Entscheidungen auf dem Weg ins Endspiel wirklich großen Respekt haben. Man mag sie Söldnertruppe nennen, oder Legionäre. Den eingekauften und eingebürgerten Spielern sowie Trainer Valero Rivera aber sollte man keine moralischen Vorhaltungen oder gar Vorwürfe machen. Wirtschaftlich betrachtet, haben sie alles richtig gemacht. Und sportlich auch: Sie gingen an ihre Leistungsgrenze und haben sich bis ins Finale vorgekämpft. Mit Verschwörungstheorien bin ich sehr vorsichtig. Das war eher eine tolle Leistung eines jeden einzelnen Spielers des Gastgebers. Das System indes, das es ermöglicht, dass eine Mannschaft zu 80-90 Prozent aus dem Ausland eingekauft wird, halte ich für angreifbar und verwerflich. Ein Retortenteam, entwickelt für ein einziges, großes Event im eigenen Land – höchst bedenklich. Insofern ist Frankreich der Titel in doppelter Hinsicht zu gönnen. Der Erfolg von ‚Les Bleus’ ist auch ein Sieg für den Handball. Spannend ist aus meiner Sicht die Frage, was man von Qatar in Zukunft auf der internationalen Bühne zu sehen bekommt. Ob von ihnen Nachhaltigkeit zu erwarten ist, oder ob mit der WM-Mission auch der Handball-Aufbau des Landes beendet ist und alles nur Mittel zum Zwecke des Fußballs war.   

Abschließend: Vielen Dank für Ihr/Euer Interesse, für die Aufmerksamkeit, die meinen Kolumnen zuteil wurde, und die positive Resonanz auf allen Kanälen. Ich hoffe, ich habe nicht zu viele Konjunktive und Relativsätze bemüht. Aber es ist eben nicht immer alles schwarz oder weiß. Es gibt auch – wichtige – Schattierungen. Gerade im Sport. Vor allem im Handball.

Sportliche Grüße, Frank Schneller 


Nach der tollen Pflicht leider eine enttäuschende Kür

- 29.01.2015

Ja, es gab schon einige delikate, unverständliche und ärgerliche Schiedsrichterentscheidungen gegen die deutsche Mannschaft. Und jeder, der sich mit Handball halbwegs auskennt, weiß: Schon zwei, drei Pfiffe können ein enges Match entscheidend beeinflussen und ihm eine eigene, kaum aufzuhaltende Dynamik geben. Ja: Es war ein echtes Auswärtsspiel für die DHB-Auswahl, dieses Viertelfinale gegen Qatar. Und das junge Team von Dagur Sigurdsson hatte es mit Heimschiedsrichtern zu tun. Doch, mal ehrlich: Leider war die bei dieser WM bis dahin so begeisternde und begeisterungsfähige deutsche Nationalmannschaft am Mittwoch einfach nicht gut genug, als dass es sich schickt, die Referees zum Thema zu machen und ihnen die Verantwortung für das Ende der Medaillenträume in die Schuhe zu schieben. Nein, diese – erste und bislang einzige – Niederlage lag größtenteils daran, dass unsere Jungs gegen die Gastarbeitertruppe des Gastgebers leider ihre schwächste WM-Leistung bot. Zumindest Durchgang eins war nicht annähernd mit den Leistungen der vorherigen Partien zu vergleichen.

Bis auf wenige Ausnahmen waren dann auch alle Beteiligten ehrlich und fair genug, dies einzuräumen. Allen voran der Bundestrainer. Und jene, die sich doch verschaukelt fühlten, werden die Gründe für die enttäuschende Kür nach der wirklich tollen „Pflicht“ – und das war für wesentliche Entscheidungsträger ja mindestens das Achtelfinale – mit etwas Abstand wohl auch anders gewichten. Es waren aus deutscher Sicht einfach zu viele Fehler im Spiel. Zu viele Chancen wurden vergeben – und die Abwehr in der ersten Hälfte war alles andere als aufmerksam und gefestigt. Neben den vielen Treffern der beiden ‚Halben’ (Rafael Capote und Marko Marcovic) gelang es der deutschen Defensive vor allem zu selten, sich vor Borja Vidal, den bulligen Kreisläufer der Gastgeber, zu positionieren, bevor dieser die Anspiele seiner Kollegen verwerten konnte. Und hinter der in Hälfte eins problematischen Deckung konnte diesmal auch Carsten Lichtlein bis zu seiner Auswechslung nicht wie in den Matches zuvor ausbügeln.

Leider fühle ich mich letztlich doch bestätigt in meinen Relativsätzen und der hier trotz aller Freude geäußerten Skepsis gegenüber verfrühten, zu euphorischen und teils sogar unsachlichen Pauschalurteilen. Da gab es Experten, die schon eine neue Siegermentalität ausgemacht hatten im deutschen Team. Unweigerlich! Oder die erklärten, der deutsche Kader gehöre personell bereits wieder zur absoluten Weltspitze. Plötzlich war Deutschland mitunter sogar WM-Mitfavorit. Das 24:26 gegen das von vielen als Söldner-Ensemble bezeichnete Team aus Qatar sollte aber den Blick schärfen für die Realität. Und die ist: Das DHB-Team hat uns riesig Spaß gemacht bis zum Viertelfinale. Dort wurde sie auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Man könnte behaupten, es sei einfach eine Momentaufnahme gewesen. Mangelnde Tagesform. Mag sein. Man kann aber auch genauer hinsehen:

1. Die Erfolge bei dieser WM waren Resultat einer großartigen Mannschaftsleistung. Und auch dem Umstand geschuldet, dass einige Spieler an ihrem absoluten Limit spielten. Einige sogar darüber. Dieses Niveau konnten sie aber nicht halten, denn:

2. Dieser Kader verfügt eben doch (noch) nicht über die qualitative Breite und die Reife (bzw. Stressresistenz) für den ganz großen Wurf. Nur die erste Sieben sowie zwei, drei Alternativen von der Bank kann aktuell auf international hohem Niveau spielen. Wenn sie bei Kräften ist. Physisch, wie auch mental. Dahinter fällt das individuelle Vermögen ab. Ist mit Blick auf Alter, Vita und Vereinszugehörigkeit auch nachvollziehbar. Im einzelnen:

3. Als Steffen Weinhold vom THW Kiel – auch verletzungsbedingt – gegen Qatar nicht mehr Vollgas geben konnte und entlastet werden musste, war die halbrechte Rückraumposition nahezu verwaist. Als eine Alternative zu Martin Strobel – der ohnehin über sich hinausgewachsen war in den vorherigen Partien –, vonnöten war, hatte Dagur Sigurdsson keine erwähnenswerte. Und im linken Rückraum war Paul Drux von vornherein Alleinunterhalter. Ein 19jähriger quasi die einzige Option auf einer solchen Schlüsselposition während einer WM …

4. Am Kreis hat das Team in Patrick Wiencek und Hendrik Pekeler Potenzial. Und entwicklungsfähiges, internationales Niveau. Doch muss man sich fragen, ob so manch anderer Experte oder Möchtegern-Bundestrainer auch diese Position in sein Urteil einbezog, wenn er davon sprach oder schrieb, wie vergleichsweise stark das DHB-Team doch individuell besetzt sei im Vergleich zu den anderen Top-Nationen. Ich gehe sogar soweit, zu schreiben, dass man der Teamleistung des DHB-Teams nicht gerecht wird, wenn man behauptet, es sei auch personell so stark besetzt, dass man es zur Weltspitze zählen müsse. Auf den Außenpositionen mag dies zutreffen. Leider aber haben am Mittwoch auch Uwe Gensheimer und Patrick Groetzki neben einmal mehr vielen guten Aktionen wichtige Würfe dann doch nicht untergebracht. Ist auch nicht zum ersten mal vorgekommen – obwohl ich ja vor allem Groetzki bisher sehr lobte für seine Quote bei diesem Turnier –, mag aber noch am ehesten ‚Klagen auf hohem Niveau‘ sein. Zumal:

5. Erstmals bei dieser WM stand ein überragender Torhüter im gegnerischen Kasten. Nicht einmal Dänemarks Ausnahmekeeper Niklas Landin verbreitete bei den deutschen Werfern derart Angst und Schrecken wie Danijel Sasic. Die Trefferquote unserer Jungs sackte dann auch sofort entsprechend ab. Silvio Heinevetter machte seine Sache gut, gab der DHB-Auswahl neue Impulse, doch unter dem Strich ging das Torhüter-Duell zu Gunsten des Gastgebers aus.

Die große Aufbruchstimmung ist also erst einmal gebremst worden. Sie muss jedoch keineswegs für beendet erklärt werden. Ein ausgewogener Blick auf den Status Quo, abseits von künstlicher Euphorie und zu großer Enttäuschung, vor allem aber fernab von Populismus, ist sicher zielführend. Ich halte es mit Heiner Brand, der nach dem Spiel davon sprach, dass das Auftreten der DHB-Auswahl oftmals erstaunlich war und insgesamt ermutigend ist. Auf die herzhaften Spiele vor dem Viertelfinal-Aus kann die Mannschaft uneingeschränkt stolz sein. Zur Analyse der WM aber muss auch gehören, dass die Mannschaft eine große Chance ausgelassen hat, es noch weiter zu schaffen.

Dass sie mit den Topteams mithalten und sich gegen diese auch durchsetzen kann, hat sie gezeigt. Dass ihr aber auch noch einiges fehlt, um das zu sein, was einige voreilig schon aus ihr machten bzw. in ihr sahen, dürfte ebenso unstrittig sein. Ihr fehlt vor allem noch immer mehr Auswahl im Rückraum. Dort steht in Steffen Weinhold derzeit ein einziger Spieler, der sich bei einer Topmannschaft – in Kiel – beweisen und auch regelmäßig in der Champions League durchsetzen muss.

Nun heißt es trotzdem: Dranbleiben. Denn noch geht es bei dieser WM ja auch abseits der Medaillen um viel: Die Chance auf Olympia. Und hier kann das Team wieder Charakterstärke nachweisen. Und letztlich noch eine Menge für sich und den Handball hierzulande erreichen. Meine Daumen sind gedrückt.

 

Frank Schneller


Carsten Lichtlein ist der große Sicherheitsfaktor

- 27.01.2015

Alle Achtung! Die Serie beherzter Auftritte unserer Nationalmannschaft bei der Wüsten-WM setzt sich fort. Auch gegen die Ägypter bewies das Team von Dagur Sigurdsson, wie belastbar und fokussiert es bei diesem Turnier auftritt. Nach dem lockeren 36:19-Sieg im letzten Gruppenspiel gegen Saudi-Arabien, bei dem – wie erwartet – wichtige Leistungsträger geschont wurden und sich andere Spieler austoben durften, wirkte die junge DHB-Auswahl auch im ersten Alles-oder-Nichts-Spiel äußerst stabil. Die Stammformation ließ sich weder von der Hektik, die von der ägyptischen Mannschaft ausging, noch von der anfänglichen Härte des Gegners beeindrucken. Das spricht dafür, dass sie auch mental sehr gut vorbereitet ins Achtelfinale ging. Ich mag mich zwar auch weiterhin noch nicht an den Siegermentalitäts-Arien anderer Betrachter beteiligen, doch einige Faktoren sprechen zunehmend dafür, dass nicht nur der Charakter der Mannschaft stimmt, sondern auch das Nervenkostüm intakt ist.

Besonders hervorheben möchte ich erneut Patrick Groetzki, der im Vergleich zu früheren Turnieren, erfreulich sachlich und kaltschnäuzig mit seinen Torchancen umgeht, überflüssige Dreher und Trickwürfe vermeidet und bislang stattdessen eine sehr erfreuliche Wurfquote an den Tag legt. Aus meiner Sicht ist der Rechtsaußen aus Mannheim bisher noch auffälliger als sein hochbegabter Kollege Uwe Gensheimer – der eigentliche Star des Teams – auf der linken Seite. In jedem Fall wirkt Groetzki auch in der Defensive noch zuverlässiger, noch bissiger.

Martin Strobel war gegen die – ehrlicherweise aber auch nur überschaubar starken – Ägypter ebenfalls wieder ein Garant. Er hat seinen Schwung aus der Vorrunde mitgenommen – an seinem Beispiel erkennt man, wie viel Selbstvertrauen ausmacht. Mit Steffen Weinhold ergänzt er sich bei diesem Turnier vorzüglich. Gemeinsam schaffen sie es, enorme Torgefahr auszustrahlen, obwohl beide keine klassischen Distanzschützen sind. Doch zieht die DHB-Auswahl ihr Angriffsspiel gegen jede praktizierte Deckungsform bislang so geschickt auf, dass ihre nur bedingt vorhandene Wurfkraft aus der Ferne kompensiert werden kann. Und das wiederum verrät, dass alle deutschen Spieler – vor allem die erste Rückraum-Formation mit Strobel, Weinhold und Paul Drux – immer bereit ist, "dahin zu gehen, wo es wehtut“, wie wir Handballer ja so schön sagen. Und wehgetan haben die Aktionen am Montag gegen Ägypten sicher häufig: Der Gegner hatte wie erwartet versucht, mit phasenweise übertriebener Härte die spielerisch, taktisch und auch individuell stärker besetzte deutsche Auswahl einzuschüchtern. Vergeblich.

In der Abwehr kaufte das DHB-Team dem Gegner seinerseits den Schneit ab, sieht man von der instabilen linken Abwehrseite vor der Halbzeit einmal ab, auf der sich Drux nicht besonders sicher fühlte und im Verbund mit Gensheimer mehrmals wackelte. Doch ehe diese von den Ägyptern wohl schon im Vorfeld analysierte Schwachstelle zu einem echten Problem wurde, hatte Carsten Lichtlein im Tor bereits die Lücke geschlossen. Seine Leistung am Montagabend war einmal mehr herausragend. Unter dem Strich nämlich waren es seine Paraden – nicht nur die spektakulär aussehenden aus der Nahwurfzone und bei den Siebenmetern, sondern insbesondere auch jene, denen sachliches Torwart- und Stellungsspiel vorausgeht –, die den deutlichen Unterschied in diesem Match ausmachten. Der Gummersbacher hat sich bei dieser WM zum großen Sicherheitsfaktor des Sigurdsson-Teams entwickelt. Wer einen Keeper hinter sich hat, dessen Fangquote zwischen 50 und 60 Prozent liegt, gewinnt automatisch an Stabilität. Lichtlein entlastete seine Vorderleute immer dann, wenn es nötig war. Ich bin gespannt, ob er dieses überragende Niveau halten kann. Ich traue es ihm zu.

Apropos Niveau hochhalten: Was für Lichtlein gilt, gilt natürlich auch für seine Vorderleute. Gegen die im großen Stile zusammengekaufte Legionärs-Auswahl von Gastgeber Qatar werden es vermutlich wieder die acht, neun Spieler – Spezialisten und Joker eingerechnet – richten müssen, die auch bisher die Verantwortung trugen. Back-Ups hat Sigurdsson nur bedingt. Vor allem im Rückraum kann aus meiner Sicht höchstens Mimi Kraus das Niveau hochhalten bzw. für Entlastung sorgen. Und auch nur dann, wenn er einen seiner guten Tage erwischt. Die übrigen Rückraumspieler sind sicher Faktoren für diese homogene Einheit und das funktionierende Mannschaftsgefüge – doch ob sie über ausreichend individuelle Klasse und auch die nötige Chuzpe verfügen, die inzwischen doch recht stark beanspruchten Kollegen der ersten Garde zu ersetzen – ich bleibe skeptisch.

Aber was soll’s? Optimismus ist angesagt. Diese Mannschaft hat nämlich bereits jetzt viel gewonnen. Vor allem Sympathie und Anerkennung. Was jetzt kommt, ist quasi eine Extra-Tour. Ende offen. Alles möglich? Zumindest vieles. Zumal auch Qatar wieder eine lösbare Aufgabe für die Jungs ist. Zwar hat der Gastgeber einige namhafte Spieler eingebürgert – was sich bislang bezahlt machte –, doch gibt es sicher stärkere Gegner im Viertelfinale. Klar, die Atmosphäre in der Halle wird das junge Team beeindrucken, aber vielleicht ja auch vielmehr inspirieren als einschüchtern. Entscheidend könnte die Schiedsrichter-Leistung am Mittwoch werden. Wie werden die Referees Einfluss auf die Partie nehmen? Grund zur Skepsis gibt es schon ein wenig. Denn im Achtelfinale der Gastgeber gegen Österreich war ein Heimvorteil der fragwürdigen Sorte zu beobachten, wie viele Augenzeugen meinen.

Dies aber ist nicht der richtige Ort für irgendwelche Verschwörungstheorien, zumal sich die deutsche Mannschaft bei dieser WM bislang noch nicht zu beschweren brauchte über die Unparteiischen. Und das Spiel ist ja noch nicht mal angepfiffen. Alibis brauchen Weinhold und Co. ohnehin nicht. Es ist jedoch legitim, der DHB-Auswahl zu wünschen bzw. zu raten, dass sie sich bereits einen entscheidenden Vorsprung herausgearbeitet haben möge, ehe die Schlussphase anbricht – damit die Partie gar nicht mehr kippen oder gekippt werden kann. Das Ägypten-Spiel könnte ja als Blaupause dienen. Ich drücke fest die Daumen!

 

Frank Schneller


Tolle Teamleistung, doch das Herz schlägt halbrechts

- 23.01.2015

Die WM-Kolumne von Frank Schneller:
 

Man kann vor den bisherigen Leistungen unserer Nationalmannschaft bei dieser Wüsten-WM wirklich nur großen Respekt haben. Wie sich die Jungs von Dagur Sigurdsson bislang verkaufen und wie sie sich in dieser gewiss nicht leichten Gruppe durchgesetzt haben, ist beeindruckend. 

Auch die Partie gegen Dänemark zeigte, dass diese Einheit – denn als solche präsentiert sich die DHB-Auswahl tatsächlich – auch gegen die individuell vermeintlich besser aufgestellten Top-Teams eine Menge ausrichten kann, wenn sie ihr Herz in die Hand nimmt und an ihre Grenzen geht. Dass es am Ende 30:30 stand, darf letztlich angesichts der Unterzahl-Situationen in der Schlussphase – insbesondere die in den letzen 90 Sekunden – als Erfolg gewertet werden. Dass das Duell mit Mikkel Hansen und Co. trotz der mehrmaligen Drei-Tore-Führung in der zweiten Halbzeit nicht sogar mit einem Sieg endete, ist eher auf mangelnde Cleverness zurückzuführen als auf das in der Vergangenheit so oft erlebte Nervenflattern. 

Ärgerlich waren gegen unseren nördlichen Nachbarn indes zwei Szenen: Die gleichermaßen völlig unnötige wie berechtigte Zeitstrafe gegen Michael Müller in der 45. Minute wegen übermotivierten Schlagens des bereits am Wurf gehinderten Mikkel Hansen. Und die Situation in der 59. Minute, die zum Siebenmeter für Dänemark (Ausgleich zum 30:30) sowie zur Zeitstrafe gegen Erik Schmidt führte: Der Pass zum Kreis war die allerletzte und einzige Option der Dänen in diesem Moment und zudem aufgrund der weiten Distanz zu antizipieren. Die Doppelbestrafung war vermeidbar. Mangelnde Cleverness eben. 

Aber das Ergebnis gegen die Dänen war letztlich okay. Zumal unsere Jungs einmal mehr einen bleibenden Eindruck hinterlassen hatten – den sie dann gegen die starken, schwer auszurechnenden Argentinier in Hälfte zwei bestätigten. Der 28:23-Sieg nach mühsamer erster Halbzeit und die damit verbundene Achtelfinal-Qualifikation waren unter dem Strich der hochverdiente Lohn für einen wiederholt herzhaften Auftritt.

Aber auch Kritik sei an dieser Stelle gestattet: Michael Müller täte der Mannschaft einen Gefallen, würde er in der Abwehr ‚gesunde Härte‘ nicht immer wieder mit grobem Foulspiel verwechseln und die Kollegen damit nicht immer wieder in überflüssige Unterzahl-Situationen zwingen. Er mag ‚nur’ übermotiviert sein. Er mag Ausrufezeichen setzen wollen wie einst Oliver Roggisch. Er steckt selbst einiges ein – klar. Und er mag ein netter Kerl sein abseits des Spielfelds. Doch der bewusste Schlag ins Gesicht seines argentinischen Gegenspielers in Hälfte eins, noch dazu, nachdem dieser ihn mit seinem Wurf schon überwunden hatte, hätte eine Rote Karte verdient und ist einfach zu verurteilen – weil kein Einzelfall. Hoffentlich werden auch solche Szenen in der Spielanalyse aufgegriffen. Sie erfüllen aus meiner Sicht den Tatbestand einer Tätlichkeit und passen nicht zum deutschen Auftreten bei dieser WM.  

Zurück zu den erfreulichen Aspekten, die sich nach dem Donnerstag-Spiel festhalten lassen: Carsten Lichtlein bewies nach einem eher unauffälligeren Auftritt im Dänemark-Spiel, in dem Silvio Heinevetter ihn legitimerweise ablöste, wie zuverlässig er ist. Wie schon in den ersten beiden Spielen, als er von der Bank kam, war er seinen Kollegen erneut ein großartiger Rückhalt. Diesmal über 60 Minuten. Vor allem dann, wenn es nicht rund lief, wie vor der Pause. Das Torwart-Duell mit seinen argentinischen Kollegen gewann er um Längen – und war damit wieder, letztlich zum dritten Mal, der Sieg-Garant.

Noch drei weitere Spieler möchte ich hervorheben: Patrick Groetzki, der bislang zu den bemerkenswertesten Rechtsaußen bei dieser WM zählt. Und auch Mittelmann Martin Strobel. Ich gebe zu, dass ich ihm bisher ausreichende internationale Klasse abgesprochen habe – doch er setzt im deutschen Spiel diesmal wirklich Akzente und ist auch konsequenter in seinem Zug zum Tor. Seine Ruhepausen in der Abwehr nutzt er, um vorne nach Kräften zu wirbeln. Ich habe ihn selten so gut gesehen – er ist derzeit ein Glücksfall für den deutschen Rückraum, der in der Breite sicher seine Limits hat. Strobels Leistungsexplosion aber liefert neue Optionen.

Das eigentliche Herzstück im DHB-Spiel indes ist der Neu-Kieler Steffen Weinhold. Ich komme wie er aus Erlangen, weshalb ich seine Laufbahn schon lange verfolge: Steffen war schon immer ein Spieler mit viel Auge. Vor vielen Jahren war das auch dem damaligen THW-Coach Noka Serdarusic nicht verborgen geblieben. Er hätte Weinhold als Teenager gerne nach Kiel geholt, um ihn zu fördern. Übrigens nicht nur als Halbrechten, denn seinerzeit war Steffen körperlich bedingt kein klassischer Shooter. Das ist er bis heute nicht. Nein, er sah Weinhold als Spielmacher: Ein Linkshänder auf der Mitte. Diese Variante bringt eine Menge Varianten ins Angriffsspiel. Damals aber war dem A-Jugendlichen ein solcher Schritt noch zu groß. Er blieb vorerst in Erlangen, ging später nach Nordhorn und Großwallstadt, ehe es ihn nach Schleswig-Holstein verschlug – erst nach Flensburg, dann zum THW. Inzwischen ist Steffen nicht nur ein ballversierter, sondern auch ein physisch immens starker Spieler. 

Schon in Flensburg und unter Ex-Bundestrainer Martin Heuberger tauchte Weinhold hin- und wieder im Zentrum auf. Konsequent aber wurde diese Option nie verfolgt. Doch wer gezielt beobachtet, wie er seine Rolle im rechten Rückraum interpretiert und ausfüllt, kann in ihm mehr erkennen als ‚nur‘ den Goalgetter von rechts und die Dampfmaschine der jungen DHB-Auswahl. Er ist kein Distanzschütze, sondern einer, der den Durchbruch – sehr oft gegen die Wurfhand –, zumindest aber die Halbdistanz für seine schnellen Würfe sucht. Genauso wichtig und effektiv aber ist sein Auge für die Mitspieler, seine räumliche Übersicht. Weinhold ist das Herzstück im deutschen Angriff. Problematisch könnte indes sein, dass er nicht gleichwertig zu ersetzen wäre – das hat spätestens die Partie gegen Argentinien gezeigt, als es klemmte, solange er auf der Bank saß. Wie lange er sein strapaziöses Spiel im weiteren Turnierverlauf durchbringt, muss man abwarten. Ich vermute: Gegen die Saudis dürfte man seine Belastung niedrig halten.

Überhaupt wird sich zeigen, wie lange der harte Kern Sigurdssons im Stande ist, volle Pulle zu spielen. Die zweite Reihe muss den Nachweis, sich adäquat behaupten zu können, erst noch erbringen. Doch vielleicht wird unser Team weiterhin getragen von der allenthalben guten Stimmung. Bislang jedenfalls widerlegt es alle Skeptiker. Es wäre toll, hielte dieser ‚Lauf‘ an. Wenn die Jungs auch den Druck in den Alles-oder-Nichts-Spielen einfach überspielen würden. In diesem Sinne: Bis bald, nach dem – hoffentlich erfolgreichen – Achtelfinale.

 

Frank Schneller


Vom so wichtigen Mut zum Torwartwechsel

- 19.01.2015

Die WM-Kolumne von Frank Schneller: 

 

Liebe Leser, liebe Mitglieder des HVSH,

nach den Erfolgen gegen Polen und Russland können wir von einem richtig gelungenen WM-Start für das DHB-Team sprechen – genau der richtige Zeitpunkt für eine erste Bestandsaufnahme.

Ich erspare es Ihnen und Euch, ausführlicher über die Turnier-Favoriten zu schreiben. Haben viele Experten und Kolumnisten ja bereits ausführlich getan. Sind ja auch immer die selben ‚Verdächtigen‘ – darunter natürlich die Franzosen mit ihrem ‚Spielertrainer‘ Nikola Karabatic, dem aus meiner Sicht komplettesten Handballer der Welt. Er erspart seinem Trainer Claude Onesta quasi das Coachen, in Abwehr und Angriff – was bei jedem Turnier auch zu beobachten ist. Karabatic ist der Chef. Selbst wenn er mal nicht in Höchstform ist.

Die junge deutsche Mannschaft hat eine solch dominante Persönlichkeit nicht in ihren Reihen. Sie lebt vom Teamgeist und offenkundig auch von einem gewissen Aufschwung, den der neue Bundestrainer Dagur Sigurdsson bewerkstellige. Die Leistung beim so wichtigen Auftaktsieg gegen Polen war erfreulich, phasenweise beeindruckend – die Performance beim Zittersieg gegen Russland im Vergleich dazu nicht mehr ganz so überzeugend. Unterm Strich aber zählen die vier Punkte. Und die in beiden Partien gezeigte Moral, angesichts des Vier-Tore-Rückstands zur Pause vor allem die im zweiten Match. Das ohnehin erfreuliche Selbstvertrauen der Jungs jedenfalls dürfte weiter gefestigt, ja sogar noch angewachsen sein. Und das ist ein wichtiger Faktor für eine so junge und teils unerfahrene Mannschaft wie die deutsche.

Von der im Vorfeld der WM nach ein paar Testspiel-Siegen beinahe inflationär beschriebenen, ja förmlich herbei gebeteten ‚neuen Siegermentalität' aber nun auch noch anzufangen, zumal so früh im Turnier, liegt mir fern. Schon viel zu oft ist unsere Nationalmannschaft gut in ein Turnier gestartet, ohne dann in den entscheidenden Momenten nachlegen zu können. Die Spiele, in denen sich die wirklichen Gewinnertypen herauskristallisieren, kommen erst noch. Dieser Nachweis steht noch aus. 

Uwe Gensheimer zum Beispiel, dem fraglos begabtesten deutschen Handballer seit dem jungen Mimi Kraus, ist zu wünschen, dass er sich nicht nur als der Mann fürs Spektakuläre, sondern nachhaltig auch als der für die ‚Big Points‘ präsentiert. Als Linksaußen braucht er dafür ebenso wie der bislang gefestigt und treffsicher auftretende Patrick Groetzki auf Rechtsaußen freilich die Unterstützung aus dem Rückraum. Hier ist der dynamische Steffen Weinhold vom THW Kiel aktuell der Mann mit dem meisten Mut zur Verantwortung, während der junge Paul Drux erkennbar das größte Potential aller Rechtshänder der zweiten Reihe mitbringt, ebenfalls eine spielprägende Figur zu werden. Der Junge ist 19, diese WM sein erstes großes Turnier! Cooler Typ! Ihm sollte man Fehler zugestehen und einfach weiter vertrauen, zumal sich auch keiner seiner Rückraum-Kollegen bislang in den Vordergrund bzw. an ihm vorbei gedrängt hat. 

Die bisherigen Trümpfe der DHB-Auswahl: Mannschaftliche Geschlossenheit, Begeisterung, eine recht kompakt stehende Abwehr als Voraussetzung für den so wichtigen Tempogegenstoß – und ein deutlich verbessertes Torwart-Wechselspiel. Wenn mir auch sonst all die Analysen, was der neue Bundestrainer alles anders und besser macht als sein Vorgänger Martin Heuberger, viel zu populistisch und verfrüht sind: zwei Verbesserungen sind schon erkennbar: Neben der ansprechenderen Körpersprache und scheinbar größeren Souveränität am Spielfeldrand ist es Dagur Sigurdssons Mut zum rechtzeitigen Torhüter-Tausch. Oft wurde hier auf der Trainerbank in den letzten Jahren zu spät oder gar nicht reagiert. Sigurdsson zeigt sich entscheidungsfreudiger. Mit Erfolg: Zweimal wurde der eingewechselte Carsten Lichtlein zum ‚Matchwinner‘. Er machte den Unterschied aus. Ohne starken Rückhalt im Kasten sind Erfolge bei Turnieren auf derart hohem Niveau eben undenkbar. 

Es ist natürlich auch ‚Derwisch’ Silvio Heinevetter zuzutrauen, diesen Part im weiteren Turnierverlauf wieder zu übernehmen. Abzuwarten bleibt, wie die DHB-Auswahl personell durch die WM kommt. Sigurdsson hat zunächst keinen gelernten Linksaußen als Back-Up für Gensheimer nominiert. Zudem bilden die beiden Kreisläufer, der Ex-Kieler Hendrik Pekeler und der aktuell beim THW spielende Patrick Wiencek den Abwehr-Innenblock – was einen Spezialistenwechsel im Angriff nach sich zieht. Und: Weder Martin Strobel noch Michael Kraus, die beiden Mittelmänner im Team, spielen defensiv eine Rolle – auch in ihrem Fall ist ein Wechsel zwischen Abwehr und Angriff die (Not-)Lösung. Das zwingt den Bundestrainer bisweilen zu taktischen Puzzlespielen. Und so schafft es ein zweiter Linksaußen entgegen der gängigen Formel, jede Position doppelt zu besetzen, vorerst nicht einmal in den 16-Kader.

Erfreulicherweise haben Trainer und Team diese 'sub-optimale‘ Konstellation bislang mit viel Verve, Geschick und etwas Glück überspielt. Darum machen diese WM und dieses deutsche Team bislang richtig Spaß. Mal sehen, ob das so bleibt. Bis zum nächsten Mal!

 

Frank Schneller


WM-Kolumne Auftakt

- 16.01.2015

Die Handball-WM in Quatar, das so wichtige Turnier für den deutschen Handball, ist bereits in vollem Gange. Zwei Spiele der DHB-Auswahl, gegen Polen und Russland, werden kommendes Wochenende ausgetragen. Für einen Großteil der Fans hierzulande sind die Auftritte unseres Teams indes leider nicht in bewegten Bildern mitzuverfolgen. Darum haben wir uns einen kleinen Service ausgedacht: Für die Mitglieder des HVSH schaut der erfahrene, handball-affine Sportjournalist Frank Schneller (45), Leiter unseres neuen Kommunikationspartners ‚Medienmannschaft' und u.a. Autor des Handball-Buches „In der Hitze des Nordens“  (die Geschichte der Rivalität zwischen dem THW Kiel und der SG Flensburg-Handewitt) sowie Biograf Heiner Brands, aus einem etwas anderen Blickwinkel auf das Geschehen in der Wüste. Der ehemalige Handballer und Nachwuchscoach Bayer Leverkusens, zwischen 1998 und 2006 nebenbei auch als Regionalliga-Trainer im Norden tätig, meldet sich im Verlaufe der Weltmeisterschaft regelmäßig auf unserer Website zu Wort. Also: Bleibt mit ihm am Ball. ...


 
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