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Britta Jänicke - eine ungewöhnliche Sport-Karriere

- 18.03.2013

Ungewöhnlich – mit diesem Wort lässt sich die Karriere von Britta Jänicke wohl am besten beschreiben. Obwohl sie ohne linken Unterarm geboren wurde, wurde sie zu einer der torgefährlichsten Spielerinnen in der Handball-Bundesliga. Danach sammelte sie im Behindertensport zahlreiche Medaillen. Heute arbeitet die 53-Jährige in beiden Bereichen als Trainerin – und achtet nebenbei darauf, dass das Familienleben nicht zu kurz kommt.

“Mein Mann würde sich schon wünschen, dass ich ein wenig häufiger zu Hause bin,” sagt Britta Jänicke mit einem Lachen. Es ist ein Vormittag in der Woche und sie hat ausnahmsweise viel Zeit, um über Handball, Behindertensport und ihre beiden Karrieren zu sprechen. Am Nachmittag wird sie wieder als Trainerin in der Handballhalle stehen, und natürlich rufen zwischendurch einige Spieler an, um das Training abzusagen.

Im Behindertensport engagiert sich Britta Jänicke ebenfalls als Trainerin. Neben ihrer Arbeit im Landesleistungszentrum Norderstedt hat sie sich in Flensburg unter anderem einige Jahre lang intensiv um einen Nachwuchsathleten gekümmert. “Mittlerweile trainiert Marvin schon seit zwei Jahren in einer Leichtathletikgruppe zusammen mit Nichtbehinderten,” erzählt sie stolz.

Jänicke beschreibt damit einen persönlichen Erfolg, gleichzeitig ist es jedoch Ausdruck für ein Dilemma im Behindertensport. “Es fehlt einfach die Breite. Wer nicht in einem Ballungszentrum wohnt, hat es sehr schwer, geeignete Trainer und Trainingspartner zu finden.” Organisation ist ein weiteres Problem, schließlich müssen immer wieder Fahrten zum Training und zu Wettkämpfen organisiert werden. Finanziell sind die Athleten dabei zum großen Teil auf sich allein gestellt, “die Medien interessieren sich eben nur alle vier Jahre für uns”.

Das Jahr 2012 ist ein solches Jahr: Nach den Olympischen Spielen in London finden in der britischen Hauptstadt vom 29. August bis zum 9. September die Paralympics statt, die größte Bühne für den Behindertensport weltweit. In Deutschland gibt es bereits seit 2010 den Bundeswettbewerb Jugend trainiert für Paralympics (JTFP), ausgerichtet von der Deutschen Schulsportstiftung und dem Deutschen Behindertensportverband.

Mit den JTFP-Veranstaltungen sei man “auf einem richtig guten Weg,” sagt Jänicke. “Wir müssen an die Basis kommen und Kindern erklären, welche Möglichkeiten es gibt.” JTFP sei dazu geeignet, Nachwuchssportler so früh wie möglich anzusprechen und zum Sport im Verein zu motivieren. Allerdings gebe es noch einige Herausforderungen: “Körperlich behinderte Kinder sind oft an normalen Schulen. Deshalb wird es sicher nicht ganz leicht, alle Kinder tatsächlich zu erreichen.”

Britta Jänicke sieht die Probleme, die der Behindertensport allgemein hat, aus einer besonderen Perspektive: “Ich durfte zwei Sportlaufbahnen erleben und war in beiden erfolgreich.” Heute vergleicht sie das Trainerdasein im Handball und im Behindertensport. Wenn sie darüber spricht, sind Herausforderungen und Probleme allerdings Nebensache. Viel wichtiger sind ihr die Erfolge, die sie im Sport erlebt hat.

Anfang der 80er Jahre schaffte sie beim TSV Jarplund-Weding den Sprung in die Handball-Bundesliga. Der fehlende linke Unterarm war für sie nie ein Problem, ganz im Gegenteil. “Technisch war ich sicher nicht perfekt, aber ich habe vieles über Kraft ausgeglichen,” erinnert sie sich mit einem Lächeln. Zwei Jahre lang traf sie öfter als viele ihrer Mitspielerinnen, 1985 folgte dann der erste Kontakt zum Behindertensport. Nur drei Jahre später fuhr sie zu den Paralympics nach Seoul – und kam mit zwei Goldmedaillen, im Speerwurf und Diskus, zurück.

“Als 1990 unser erster Sohn geboren wurde, wusste ich nicht, ob ich Familie und Sport noch vereinbaren kann,” erzählt Jänicke. Es stellte sich allerdings relativ schnell heraus, dass es ganz gut klappte, es folgten viele weitere Titel bei nationalen und internationalen Meisterschaften. Zum Ende ihrer aktiven Karriere holte sie in Sydney im Jahr 2000 noch einmal Gold in ihrer Paradedisziplin, dem Kugelstoßen. Aber nicht nur deshalb waren die vier Wochen in Sydney “die schönste Zeit in meinem Leben”.

Die Erfahrungen aus ihrer aktiven Zeit wollte sie unbedingt weitergeben. Beim HFF Munkbrarup trainiert sie deshalb gleich fünf Mannschaften, mit den Männern hat sie gerade den Aufstieg in die Landesliga geschafft. Und seit Dezember verbindet sie ihre beiden Leidenschaften auf eine ganz neue Art und Weise: Die Fireballs sind die erste Handballmannschaft in Schleswig-Holstein für Menschen mit geistiger Behinderung. Natürlich hat Britta Jänicke für ihre neue Mannschaft schon ehrgeizige Ziele: “Langfristig wollen wir an nationalen und internationalen Turnieren teilnehmen”.

von Dirk Siebels


 
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